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Privatsphäre war einmal!

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Bin ich paranoid? Im Allgemeinen gehört das nicht zu meinen Charakterzügen. Ich gehe positiv auf fremde Menschen zu und nehme erst einmal das Beste von ihnen an, und es dauert meist ein wenig, bis ich vom Gegenteil überzeugt werden kann. Gutmütig-naiv, ja, das mag manchmal auf mich zutreffen.

Abendsonne blogPanik, wenn ich mich nachts allein auf der (Dorf-)Straße befinde, kenne ich nicht.
Zukunftsangst dagegen schon: Zum einen bezogen auf die Wahnsinnigen auf unserem Planeten, die sich eine Möglichkeit zum Regieren oder Bestimmen erkämpft haben oder dazu gewählt wurden. Zum anderen wünsche ich mir, dass auch meine Enkelkinder noch eine so traumhaft schöne Welt vorfinden, wie es sie an vielen Flecken unserer Erde gibt. Egal welches Land, welche Region, es gibt keine, die nicht ihren Reiz hat.
Deshalb ist mein Verlangen nach Respekt für Natur und Lebewesen ein Grundthema meiner Fantasy-Romane.

Ich bin kein Physikguru oder technikaffiner Mensch, aber ich nutze praktische Erfindungen gerne, wie den Laptop, der mich gerade unterstützt. Voller Bewunderung staune ich über menschliche Gehirne, die so etwas schaffen können und deren Ideenreichtum keine Grenzen gesetzt sind.
Richtig nervös machte mich neulich die aktuell moderne Technik abends dann doch.

Meine Familie und ich haben das große Glück auf dem Land zu wohnen, nicht weit von einer mittelalterlichen Kleinstadt, in der ich mich auch sehr gerne aufhalte. Wir können auf Terrasse oder Balkon sitzen und über ein Tal in Richtung Alpen blicken, während westlich von uns die Sonne glutrot untergeht.

Mein Mann und ich saßen auf unserem Lieblingsausguck und spielten nebenbei bei Kerzenschein Rummikub. Ich liebe Kombinationsspiele, die Konzentration erfordern, ebenso wie Puzzles, die mich schon zu einigen Geschichten inspiriert haben.

Ein Geräusch näherte sich, das weder von einem Wagen noch einem Hubschrauber stammte. Wir starrten in die Nacht und suchten und starrten weiter, bis mein Mann die Quelle entdeckte.
"Schau mal, eine Drohne!"
Wir beobachteten sie misstrauisch. Sie flog näher bis an den Rand der nächsten Wiese, was wir an roten und blauen Blinklichtern erkennen konnten. Dort verhielt sie eine Minute, dann drehte sie ab in Richtung Umgehungsstraße, über der sie wieder einige Zeit schwebte.

Eine Drohne - bei uns auf dem Land!
Ja gut, nicht jede Drohne befördert Bomben, nicht jede spioniert die Nachbarn auf dem Balkon aus. Aber will ich wirklich jederzeit einsehbar sein, der berühmte gläserne Mensch werden? Ganz sicher nicht!
Was geschieht, wenn der Autofahrer, der diese Drohne über sich bemerkt, oder noch schlimmer, auf dessen Windschutzscheibe sie zuhält, erschrickt.
Alles ist möglich: Sei es ein Lausbubenstreich oder eine gewollte Attacke, die Folgen können schwerwiegend bis tödlich sein.

Wer darf diese Dinger fliegen?
Ihr werdet es kaum glauben: Jeder, der es will und eine Haftpflichtversicherung abschließt! Das kann doch wohl nicht sein!

Ein Horrorszenario zieht vor meinem inneren Augen herauf (ja, jetzt werde ich panisch): Vorbei sind die Zeiten der Ruhe, wenn das um sich greift. Gebrumme in jedem stillen Winkel der Welt, Chaos in den Städten.
Hier endet meine wohlwollende Bewunderung der Technik und meiner Meinung nach gilt, wie so oft in letzter Zeit: Die Regierung muss den ersten Schritt vor den Verbrauchern tun und Regeln und Gesetze schaffen. Sonst werden wir wieder einmal überrannt und danach folgt der Versuch, das Durcheinander in den Griff zu bekommen.
Und es wird noch gefährlicher: Wenn die Leute, die heute als Selbstmordattentäter in Stadien wüten, ihre Bomben überall einsetzen können.
Ihr findet, ich übertreibe? Es wäre toll, wenn die Pizzen demnächst über- und untereinander kreuzend geliefert werden können?

Bei meinen Recherchen erkannte ich dann aufatmend, dass die Verantwortlichen bereits an der Arbeit sind und sich die Registrierung verschärft hat. Die Drohne muss eine Kennzeichnungsplakette mitführen. Zwischen 2 und 5 kg Gewicht muss sie darüber hinaus gemeldet werden, ab 5 kg ist für sie zusätzlich von einer Landesluftfahrtsbehörde eine Aufstiegserlaubnis zu beantragen, und ab 25 kg ist ein Aufstieg nicht erlaubt. Dabei gilt eine maximale Höhe von 100 Metern und natürlich gebietstechnische Einschränkungen sowie die Pflicht, dass sich das Fluggerät in Sichtweite befindet. Es ist nicht erlaubt zu filmen, wenn einzelne Personen erkennbar sind, und private Grundstücke dürfen nicht überfolgen werden. Man darf sehen, was auch von der Straße aus zu sehen ist. (Diese Daten sind meine Zusammenfassung unten stehender Quelle, ich hafte nicht für fehlerhafte Informationen.)

Es gibt natürlich auch jede Menge positiver Einsatzmöglichkeiten von Drohnen, die ich nicht vernachlässigen möchte. Wenn Felder nach Rehkitzen abgesucht, Inspektionsflüge für schwerzugängliche Gebäudeteile, Windkraftanlagen, Stromleitungen und vieles mehr durchgeführt werden. Hervorzuheben ist hier, dass die Gefährdung von Menschen vermieden werden kann, wenn das Hinaufklettern eines Mastes für Kontrollen nicht mehr nötig wird. Mal abgesehen vom geringeren Zeitaufwand. Und wir wollen auch Hollywood und Co. nicht vergessen, die uns neue atemberaubende Möglichkeiten bieten werden.

Hier endet meine Naivität jedoch, denn ich habe Angst, dass die negativen Folgen überhandnehmen und uns die Kontrollmöglichkeiten entgleiten. Dass es zum Massensport wird oder uns eine Massennutzung bevorsteht. Selbst wenn nichts Kriminelles daraus entsteht - was ist mit unserer Welt, die jetzt schon zu laut und zu schnell ist, sodass immer mehr Menschen krank werden?
Wenn jede ruhige Minute unseres Daseins früher oder später zu einer unruhigen Minute wird.
Wann haben wir noch eine Chance zu entspannen, die Natur zu genießen, zu erleben?

Kürzlich landete ein Roter Milan fast vor unserem Garten, ein seltener Raubvogel. milan 2204780 1920Störche und Reiher sind wir ja gewohnt, aber dieser Anblick kann mir mehr den Atem rauben als jede Filmproduktion.
Doch sie alle werden in die letzten ruhigen Winkel dieser Welt vertrieben, bis auch diese irgendwann aufgehört haben zu existieren.
An die Verantwortlichen: Bitte habt nicht nur ein, sondern zwei scharfe Augen auf diese Technik, so dass sie wirklich nur zu unserem notwendigen Nutzen dient.

Herzlichen Dank.

Ainoah

 

Quelle: http://www.drohne-quadrocopter.de/wissenswertes/quadrocopter-drohne-flugerlaubnis-und-genehmigung/
Bild: Pixabay zur freien kommerziellen Verfügung/Seaq68/Kein Bildnachweis nötig

 

 Leseprobe aus "Terra Obscura":

Die Last der Verantwortung. Elion lebte seit zwei Nächten auf der Schul-Scholle und er hasste jede Minute davon. Wenn er nur daran dachte, wie viele Jahre er auf diese unsinnige Weise verbringen musste, kochte der Zorn in dem sonst so ruhigen Jungen hoch.
Die Lehrer erschienen bei weitem nicht so fähig wie seine eigenen Eltern, den Schülern komplexe Inhalte verständlich zu erklären. Nicht dass er es nötig gehabt hätte, denn er war es gewohnt, sich selbst Wissen anzueignen. Wo er Fragen hatte, konnten seine Eltern diese in den meisten Fällen beantworten.
Alle auf der Forscher-Scholle kannten das Dilemma, aber Elion nahm an, dass durch die Teilnahme an dem Regelunterricht die Kinder der verschiedenen Schollen soziale Bindungen zueinander aufbauen sollten. Dies würde sie für die Gemeinschaft auf Beretar nützlicher werden lassen, als wenn sie weltabgewandt auf ihrer Scholle ihr Leben fristeten.
Grundsätzlich ein guter Gedanke, gäbe es nicht immer welche, die nicht nur vollkommen uninteressiert am Lernen waren, sondern es den anderen auch noch erschwerten: sei es durch Stören des Unterrichts oder – in Elions Falle – durch hinterlistiges Mobbing.
Dem Angebot Morcans, des Vorstehers des Jungenhauses, sich in allen Belangen an ihn zu wenden, wollte Elion ungern nachkommen. Er traute dem Älteren nicht über den Weg, denn den kurzen, hasserfüllten Blick, den Elion am ersten Abend in dessen Augen zu sehen geglaubt hatte, konnte er nicht vergessen.
Die hellblauen Augen und der gefühlsarme Gesichtsausdruck ließen Elion immer daran zweifeln, dass Morcan bei einer Bitte seinerseits eingreifen würde. Vermutlich würde er eher gefoltert, wenn er sich über das Mobbing beschweren würde. Da hielt er es doch lieber aus.
Zumindest war bisher noch keine Gewalttätigkeit vorgekommen und vor der Leiterin Viridana bemühten sich alle um Höflichkeit. Kaum verließ sie jedoch das Zimmer, kamen die kleinen spitzen Bemerkungen, seine Stifte rollten zufällig auf den Boden oder er wurde links liegen gelassen.
Gewohnt sich selbst zu beschäftigen, machte ihm Letzteres weniger aus als anderen. Dem Mobbing ausgesetzt schienen nur die Kinder der Forscher- und der Händler-Schollen. Seine Eltern hatten versucht, es ihm zu erklären, aber dies war eins der wenigen Dinge, die er einfach nicht verstehen konnte.
»Ich weiß, es ist unlogisch, Elion, denn du warst noch nicht einmal geboren, als die Explosion stattfand. Dein Vater und ich waren selbst noch Kinder und unser Fürst gerade ein junger Mann von etwa 18 Jahren. Er war ein knappes Jahr mit seiner ersten Frau verheiratet und sie hatte ihren ersten Sohn bekommen, Naims großen Bruder. Wie hieß er noch, Anderson? Ach ja: Fadir.«
Elions Mutter versuchte, ihm die Zusammenhänge deutlich zu machen, und erklärte:
»Dann erfanden Professor Aegus und seine Assistenten eine Möglichkeit, an die Gase tief im Inneren Beretars zu kommen und sie anzuzapfen. Jeder Wissenschaftler weiß, wie gefährlich der Umgang mit Gasen ist, wie hochexplosiv sie sein können, aber sie dachten damals, sie hätten es im Griff. Die Leitungen waren bis auf die Oberfläche hinauf absolut dicht und gesichert. Was sie nicht gewusst hatten: In den Gesteinsschichten in etwa 600 Metern Tiefe gab es eine brüchige Schicht, in der große Hitze durch einen unterirdischen, nie ausgebrochenen Vulkan herrschte. Diese Hitze entzündete das noch nicht getrocknete und aufgespaltene Gas. Dadurch, dass es so weit unten geschah, zerriss es Beretar auf unserer Nordhalbkugel in Fetzen. Auf der Südhalbkugel fiel das Land in sich zusammen und es entstand ein riesiger Krater. Die Besiedelung dort war sehr dünn und als die Menschen auf der Nordhalbkugel endlich wieder fähig waren, den Planeten zu erkunden – das ist erst etwa 30 Jahre her – fanden sie dort keine Menschenseele mehr vor. Alle waren entweder tot oder hatten sich in den Norden davon gemacht.«
Solveig hatte einen Moment geschwiegen und ihr Mann hatte ihr tröstend einen Arm um die Schultern gelegt. Er übernahm die weitere Erzählung.
»Die Großeltern deiner Mutter stammten von dort, mein Junge. Sie hat sie nie kennengelernt, denn die Explosion fand statt, als sie zwei Jahre alt war.«
»Meine Mutter war untröstlich«, fuhr Solveig mit leicht zitternder Stimme fort, »und es dauerte beinahe zehn Jahre, bis wir uns von den Verlusten und dem Schock erholt hatten. Wenn du nichts mehr besitzt außer Trümmern und ein tief geschocktes Volk mit vielen Verletzten am Leben halten musst, dann brauchst du all deine Stärke dafür. Dies hat unseren Fürsten reichlich Kraft gekostet, nebenbei hatte er eine verzweifelte Mutter zu trösten, deren Erstgeborener nicht mehr am Leben war. Meiner Meinung nach hat sich Naim zum Zyniker entwickelt, weil er in einer Atmosphäre der Verzweiflung aufwuchs und nie die gleiche Liebe erfuhr wie sein Bruder.«
Sie benötigte erneut einen Moment, um sich zu sammeln und ihre schönen, dunklen Augen glänzten wegen nicht geweinter Tränen des Mitgefühls.
»Man kann ein Kind nicht durch ein anderes ersetzen. Vermutlich hatte sie Schuldgefühle, wenn sie sich zu unbefangen und liebevoll mit Naim beschäftigt hätte. Aber das ist nur meine Vermutung.«

"Terra Obscura" - Teil I der Beretar-Story als E-Book, zurzeit für 0,99€

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Ich wünsche euch allen eine wunderschöne, gesunde und gedankenreiche Woche.

 Ainoah

 

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Letzte Änderung am Freitag, 11 Mai 2018 11:54