Um alle Funktionen unserer Website uneingeschränkt benutzen zu können, werden Cookies benötigt. Einige dieser Cookies erfordern Ihre ausdrückliche Zustimmung. Bitte stimmen Sie dieser Verwendung zu.

Quälen, foltern und morden zur Spannung und Entspannung

geschrieben von

Wie viel Grausamkeit brauchen wir in einem Buch, bei den sekündlich geschehenden Gräueln in unserer Welt?

Natürlich lesen wir nicht nur leichte Lektüre zum Entspannen, wir wollen auch Anspruchvolles und Atemberaubendes. Und wer unter den Autoren gilt als die Crème de la Crème der Zunft und führt meist die Bestsellerlisten an? Die Krimiautoren!
Sicher nicht zu Unrecht, denn ihr Handwerk braucht die tiefgehendste Recherche, die perfekteste Logik und die zündendsten Ideen, um den Leser zu interessieren, bei der Stange zu halten und ihn am ausgeklügelten Ende nicht zu enttäuschen, sondern am besten zu schocken.

forest 2044261 1920pixabay

Ich selbst schreibe Fantasy und (unter dem Pseudonym Katie S. Farrell) Romantikthriller und habe neulich einen Anflug von psychischen Spielchen in »Lana – Auf gefährlichen Pfaden« eingebaut. Es hat mir Spaß gemacht und mich wirklich beim Verfassen in den Bann gezogen. Die Reaktionen waren eindeutig: »Super spannend, aber überraschend für deine/Ihre Bücher!« und »Weiter so!«. (Lana - Auf gefährlichen Pfaden, als E-Book bei Amazon und als Taschenbuch im Buchhandel)

Allerdings kenne ich die Grenzen meiner Belastbarkeit, sowohl beim Schreiben als auch beim Lesen oder Filmgucken. Spannend darf es gerne sein (kein Horror!) – Herr der Ringe und Game of Thrones lösten auch bei mir eine Sucht aus, jedoch mit innerlichem Widerwillen aufgrund der übermäßigen Grausamkeiten. Und doch scheinen die meisten das zu genießen, in einer Welt, in der Folter und Mord leider real sind.

In meinen Büchern sterben ebenso Menschen, nicht immer nur die Guten, und aus den gleichen Gründen wie in einem Krimi: weil es die Handlung realistischer und dramatischer macht!

Ich kann mir jedoch keinesfalls in einer von mir erdachten Handlung vorstellen, dass ich ein Kind ein Jahr lang in eine Kiste sperren würde, während der Vater danach sucht, oder Menschen in einer Psychiatrie misshandeln ließe. Das ginge mir viel zu nahe und würde mir den Schlaf rauben, was ich mir und meinen Lesern nicht zumuten möchte.
Ich bin nicht dazu imstande ein Buch zu lesen, in dem abartige Dinge geschehen, ohne darüber nachzudenken, dass solche Fürchterlichkeiten keineswegs so unrealistisch sind. Was sicher manch ein Leser aus bloßer Interesselosigkeit oder Unwissen annimmt.

Man könnte den Grund für die Grausamkeiten auch anders erklären: Diese Storys werden geschrieben, damit die Leser sie in die Realität übertragen und die Welt zu einer besseren machen, was ein tolles Motiv wäre. Aber denken die Leser tatsächlich darüber nach? Und sagen sie nach dem Buch: »So etwas darf niemals in Wirklichkeit geschehen, dafür müssen wir alle sorgen!«?
Oder fühlen sie sich sicher, weil das Schlimme in einem Buch geschieht und ihnen nichts passieren kann? Genießen sie den Kitzel, in der Sicherheit mitzuleiden? Sorry – für mich unvorstellbar!

Zu der Wahl der Mordwaffen las ich neulich in einer Autorenzeitschrift einen langen Artikel, wo verschiedene Mittel und Wege erläutert wurden, um uns Autoren vor logischen Fehlern zu bewahren. Ein positiver Anlass, toll recherchiert und ausgeführt, dennoch ein bisschen erschreckend.
Eine Tötungs-Variante hatte ich für »Lana« selbst entdeckt – im Internet stößt man ja angeblich sogar auf Bombenbastelanleitungen. Mein Recherche-Berater in ärztlichen Fragen bat mich, meine Idee nicht so deutlich zu erläutern, weil die Möglichkeit bestünde, dass jemand tatsächlich eine Nachahmung versucht. Es gibt ja immer wieder Krimis, in denen Morde nach dem Vorbild eines Buches begangen werden.
Der Gedanke wäre für mich unvorstellbar niederschmetternd, also habe ich den Rat selbstverständlich befolgt.

Wo ist denn nun die ethische Grenze für die Grausamkeit in unserer Unterhaltung?
Darf man sie hochansetzen, wenn es unrealistische Szenen (Science Fiction, Fantasy) sind und der Leser weiß, dass es niemals so geschehen kann?
Und sollte sie bei realitätsnahen Hintergründen niedrig gehalten werden, damit nicht »böse« Menschen auf noch schlechtere Ideen für ihre Taten kommen oder jeder für sich abstumpft, was unserer Gesellschaft der Egoshooter-Spiele sowieso schon vorgeworfen wird?
Ich persönlich bejahe beides in einem Rahmen, der für mich als Autorin etwas sicherstellt: Nämlich, dass sich in meiner Fangemeinde keiner in dieser Weise äußern würde:
»Echt geil, wie die Autorin den wieder langsam zu Tode gequält hat!«

Eure Ainoah

Übrigens war ich geschockt und erleichtert zugleich, als ich nach einem Bild für diesen Artikel bei pixabay gesucht habe. Geschockt, weil ich dabei feststellte, wie viele Bilder es zum Thema »Mörder« gibt. Erleichtert, weil diese für Minderjährige (und zartbesaitete Autorinnen) gesperrt sind. Das kam natürlich nicht in Frage.

Spannende Leseprobe aus »Terra Obscura«:

Talin sah, wie sich die Männer aufsetzten und sich auch Sandrias Aufmerksamkeit auf Naim richtete, der ohne nachzudenken, weiterschwafelte. Seine Sprache schien ihr undeutlich, also gab es in der Schlucht wohl auch Alkohol und ausgerechnet Naim, der nicht viel davon benötigte, um ausfallend zu werden, hatte dem Getränk offensichtlich fleißig zugesprochen.

Talin ignorierte ihn und ging in gleichem Tempo weiter Richtung Fluss, hoffend, dass sich sein Interesse wieder etwas anderem zuwandte. Aber sie hatte kein Glück.
»Ich rede mit dir, Admiralin, und dann hast du stehen zu bleiben!«, lallte der gutaussehende, aber eingebildete Fürstensohn und hielt sich mit einer Hand am Felsen fest, als seine Welt zu Schwanken begann.
»Admiralin?«, kam es von Jorim mit unsicherer Stimme, wobei er sich an Naim wandte.
»Ich dachte, du befehligst die Flotte und Talin das Forscherschiff?«
Naim lachte krächzend und Talin wappnete sich für das, was nun unweigerlich kommen musste. Sie sah aus dem Augenwinkel, wie Elion und Jinza näher traten, aber sie fühlte sich wie am Boden festgeschraubt.
»Nein, nein. Soweit vertraut mir mein Vater nicht! Aber Talin, die hat Eiswasser in den Adern, flippt nie aus und trifft immer die richtigen Entscheidungen. Sagt er.«
Er hustete eine ganze Minute lang und Talin begann zu hoffen, dass ihm die Luft zum Weitersprechen ausginge.
»Aber man kann nun einmal nicht immer auf Frieden hoffen, das ist naiv. Diese Leutchen hier haben auch nicht damit gerechnet, dass du ihnen eine Bombe aufs Haupt wirfst, Talin. Frieden – den gibt’s nur, wenn einer befiehlt und alle folgen«, murmelte er und nahm nicht wahr, wie sich Jorim und Silver erhoben und sich Talin näherten.
Silver sprach mit heiserer Stimme aus, was nun für alle glasklar war: »Du hast den Befehl gegeben, auf uns zu schießen?«
Talin nickte resigniert und antwortete mit fester Stimme:
»Es wurde Angriffsgeschrei gemeldet und ich hatte die Order vorsorglich zu schießen. Das war das einzige Mal in meinem Leben, dass ich geschossen habe, ohne das Ziel zu sehen. Ich weiß, dass dies unendliches Leid bei euch verursacht hat, und keine Entschuldigung dies lindern kann.«
Naim begann betrunken zu lachen, die ganze Situation war irrational und vollkommen irrsinnig.
»Dein unsinniger Friedenswille, Talin, jetzt hilft er dir auch nichts mehr. Genauso wenig, wie wenn du die Männer des Feindes heiß machst.«
Talin dachte: Nun ist es gleich so weit: Wenn keiner ein mäßigendes Wort einwirft, werden sie mich umbringen.
Silver hakte nochmals ungläubig nach: »Was heißt hier Feind? Wir haben euch nie etwas getan?«
»Wir hatten Bedenken wegen dieser furchtbaren Geräusche«, versuchte Talin zu erklären, aber Jorim schüttelte grimmig den Kopf.
»Du hast Eiswasser in den Adern und Angst vor den Geräuschen? Das klingt unglaubwürdig, Admiralin!«
Das letzte Wort stieß er voller Abscheu hervor.
Talin hätte einiges dazu zu sagen gehabt. 
Wenn sie Naim hätte gewähren lassen, wären hier jetzt alle tot, inklusive seinem eigenen Bruder. Aber es machte wenig Sinn in dieser bereits aufgeheizten Lage noch Zunder ins Feuer zu geben. Auch wenn sie es gerade nicht ungern gesehen hätte, wenn Naim dieses hämische Lachen vergangen wäre.
Silver trat drohend auf sie zu. Bevor er noch etwas sagen oder tun konnte, wurde er zur Seite gestoßen und Sandria stürzte sich mit zu Klauen geformten Händen auf Talin und warf diese durch ihren Schwung heftig zu Boden.
Während sie auf die Liegende einschlug und -kratzte, stieß sie schweratmend ihren Hass hervor.
»Du hast meine Familie getötet! Du wagst es, dich hier ans Feuer zu setzen und mit uns zu essen? Du hast meinen Mann und meinen süßen, kleinen Sohn auf dem Gewissen!«
Talin versuchte, ihr Gesicht vor der Furie zu schützen, aber Sandria kniete auf ihrem Leib, packte ihren Kopf und hieb ihn auf den felsigen Untergrund.
Die Männer standen vor Schreck erstarrt daneben und konnten keinen Finger rühren, da ergriff Jinza beherzt den Arm der Frau, die so vollkommen außer sich war, und bemühte sich, sie von Talin wegzuziehen, aber vergeblich. Die Kräfte des Mädchens konnten mit der überschäumenden Wut einer Erwachsenen nicht fertig werden.
Plötzlich stand auch Portos wie aus dem Boden gewachsen da und beobachtete das Geschehen.
Elion versuchte, Jinza zu Hilfe zu kommen, registrierte aber zugleich entsetzt, dass Talin sich in keiner Weise wehrte, als hätte sie vor, diese Behandlung und ihren möglichen Tod auf sich zu nehmen. Nun flogen Jinza und Elion durch direkte Hiebe Sandrias zur Seite, und Silver kam endlich zu sich.
»Sandria, hör auf damit. Das macht sie nicht wieder lebendig. Sandria, du bringst sie um. Hör auf!«
Er packte die Tobende unter den Achseln und zog sie gewaltsam hoch. Sandria schlug mit Armen und Beinen wild um sich und schrie wie am Spieß.
Nun hatte auch Naim zu lachen aufgehört, auch wenn er in seinem Suff nicht zuordnen konnte, was hier geschah.
»Was macht sie denn da mit Talin? Talin?«
Talin hörte die Stimmen um sich herum, aber der letzte Schlag, mit dem ihr Kopf auf den Boden geprallt war, hatte sie benommen gemacht. Sie hörte Jinza weinen und versuchte sich besorgt aufzurichten.
»Jinza, geht es dir gut?«, flüsterte sie und erkannte Brianne, die sich neben sie kniete.
Aber bevor sie noch etwas sagen oder verstehen konnte, spürte sie einen Schmerz wie glühendes Feuer, das sich in ihre rechte Schulter fraß.
Sie schrie gellend auf, dann wurde es schwarz um sie herum.

Teil 1 von Beretar »Terra Obscura« gibt es derzeit als E-Book für 1,99 €

cover beretar1

Jetzt gratis Newsletter abonnieren!

Habt ihr es bemerkt?
Auf meiner Website gibt es neuerdings die Möglichkeit sich für meinen Newsletter einzutragen.
Bleibt stets als eine der Ersten informiert und erhaltet Mitteilungen über anstehende Veröffentlichungen, Gewinnspiele oder andere Aktionen!
Mein Newsletter wird ca. 1-2 Mal pro Quartal versendet!
Ich freue mich auf euch!

Weitere Leseproben zu meinen Büchern findet ihr in den vorigen Blogeinträgen und auf meiner Facebookseite Ainoah Jace, Autorin.
Likes, Kommentare und Weiterempfehlungen über social media oder direkt auf der Seite sind mir sehr lieb.

Letzte Änderung am Montag, 01 Juli 2019 19:36