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Die Reise ins Moinmoin-Land

geschrieben von

Der Spreewald – ein Traum für Mystiker ...

... und ich war endlich zum zweiten Mal dort. Vor drei Jahren hatte mich die Landschaft mit den weit verzweigten Flussarmen, dem hellen Grün der Bäume und der moorigen Landschaft schon in den Bann gezogen.

Auf dem ersten Paddeln bei Lübbenau entstand die Idee zur Sternenflut-Trilogie mit meinem zaubernden Flusshändler Cassian. Zunächst formulierte ich meine Eindrücke, dann erst plante ich die Handlung – in dieser Reihenfolge hatte ich noch nie zuvor geschrieben.

Als mein Mann und ich uns im Juli 2021 zu unserer bisher nördlichsten Reise aufmachten, war diesmal Lübben unser Zielort. Der schöne Campingplatz liegt direkt an der Spree, man trägt sein Kajak (seit damals besitze ich ein eigenes aufpumpbares, aber hochwertiges Boot) ans Ufer und setzt ein. Ich muss zugeben, dass ich Lübbenau als schöneres Paddelgebiet empfinde – kleinere Flusswege mit mehr Schleusen. Aber auch die Umgebung von Lübben hat ihren besonderen Reiz. Wir paddelten einige Stunden über die Hauptspree dahin, wählten einmal einen bezaubernden Seitenarm (Bild). Eine Mittagspause auf einer Wiese nutzten wir zur Erholung. Leider war uns kein strahlender Sonnenschein vergönnt, der diese Landschaft zum Glitzern und Leuchten bringt. Viele Wolken begleiteten uns, immerhin kein Regen.
Der Zauber hatte uns dennoch wieder gepackt. Der Spreewald ist auf jeden Fall eine Reise wert.

2021 07 19 12 41 05 0189 Mi 9 SE Campingtour Norddeutschland

Die ganze Reise auf dem Blog auf www.monika-nebl.de.

Wer gleich mal dabei sein möchte, dem empfehle ich die folgende Leseprobe oder gleich die ganze Sternenflut-Trilogie. Wer Mystik, Romantik und Sagen liebt, wird seine Lesefreude daran haben. Viel Vergnügen.

Eure Ainoah

Leseprobe aus Teil 1 der Sternenflut-Trilogie, Die Reise

Sie folgten dem Hauptarm des Flusses nur wenige hundert Meter, dann bog Mirja überraschend ab. Cassian gelang es mit einiger Mühe, den Kahn rechtzeitig querzustellen, damit er die schmale Einfahrt traf, die er sonst übersehen hätte.
Er musste sich mit dem Rudel kräftig abstoßen, um sein Gefährt zwischen Schilfinseln durchzuzwängen.  Wie ein Vorhang aus herunterhängenden grünen Blätterlianen öffnete sich ein Bayou, ein Stück Wasserlandschaft in den Ausmaßen eines kleinen Sees. Auch dieses durchquerten sie gemächlich, und Cassian beobachtete seine Umgebung genau. Immerhin war es möglich, dass Mirja ihn in die Irre führte. Oder unter ihresgleichen, die sich ein weiteres Mal an einem Menschen rächen wollten? Schließlich hatte die Nixe Kenntnis davon, dass er Fleisch- und Fischesser war, was sie verabscheute.
»Wohin bringst du mich?«, rief er ihr mit gedämpfter Stimme nach.
Mirja legte sich wieder auf den Rücken und wartete, bis er neben ihr trieb. Er blickte auf sie hinunter und bewunderte die langen Flechten, die auf dem Wasser um ihren Kopf schwebten wie ein gemalter Rahmen, der ihre Schönheit hervorhob. Er bemühte sich, ihr nicht auf die Brüste zu starren, aber das Glitzern des eng anliegenden grünen Schuppenkleides erinnerte ihn an die gemeinsame Nacht in Lyhmbia. Wieder einmal.
»Ich zeige dir ein Bild, das du nie mehr vergessen wirst.« Er schluckte, denn in diesem Moment kamen ihm der Anblick der Nixenhaut und die Ermordung von Drax in den Sinn.
»So grausam?«, hakte er mit heiserer Stimme nach.
»So wunderschön! Vermutlich hat es vor dir noch kein Mensch gesehen. Wir sind gleich da.«
Seufzend schob er erneut an und erreichte innerhalb weniger Minuten das Ende des Bayous. »Hier musst du aussteigen, Cassian. Der Bach ist zu eng für deinen Kahn.« »Und du? Bekomme ich wieder die hübschen Beine zu sehen?«
»Ich passe hier problemlos durch. Oder schaue ich aus wie ein Walfisch?« Er grinste, als er sich das Bild einer dicken Mirja vorstellte, und stieg vorsichtig aus. Sie wischte mit kräftigem Schwung ihrer Flosse einen Regenschauer in seine Richtung, da sie sein Grinsen richtig deutete. Gründlich befestigte er das Boot an einer schmalen Birke und fragte immer noch schmunzelnd: »Kann ich die Sachen drin lassen? Wie weit es ist es?«
Sie hob den schlanken Arm aus dem Wasser und zeigte graziös entlang des Bachverlaufs. »Etwa hundert Meter. Du würdest hören, wenn sich jemand nähert.« Sie bewegte die Flosse nur leicht und schob sich in dem höchstens sechzig Zentimeter breiten Wasserlauf vorwärts. Cassian zögerte nur kurz und testete mit einem Fuß die Beschaffenheit des Bodens. Der Weg schien stabil zu sein. Langsam betrat er die Spur, die nur zu erahnen war. Häufig wurde sie nicht benutzt. Die Nixe war ihm ein Stück voraus und er drehte sich nochmals zum Kahn um. Cassian murmelte eine Verwünschung, als er Schatten zu erkennen glaubte.
»Entweder werde ich hier allmählich paranoid oder jemand folgt mir seit Tagen.« Doch jeder unangenehme Gedanke war wie weggeweht, als er Mirja eingeholt hatte. Vor ihm eröffnete sich eine Welt, die er in langen Jahren in den Flusslanden nie gesehen, geschweige denn auch nur erahnt hatte.  Er ließ sich auf einen umgestürzten Baumstamm sinken und schaute und schaute.
»Habe ich zuviel versprochen?«, fragte Mirja leise, und er schüttelte sprachlos den Kopf. 

Um ihn herum ragten uralte Bäume wie Gerippe in den dunklen Himmel, als streckten sie die knorrigen Äste hilfesuchend nach den Sternen. Das strahlende Mondlicht beleuchtete sie. Mystisch schön in ihrer weißen Mattheit vor dem schwarzen Moor erzählten sie von dem Jahrtausende andauernden Bestehen dieser Landschaft.
»Wie alt sind die Bäume hier?«, fragte er mit belegter Stimme und Mirja antwortete:  »Einige der Birken stehen hier seit über zweitausend Jahren. Die meisten verfaulen natürlich und werden irgendwann selbst zu Torf und Moorboden. Aber diese hier sind so alt, weil sie weniger Nässe ausgesetzt sind. Es gibt in den Flusslanden nicht allzu viele Plätze, wo das der Fall ist.«
Wolkenfetzen schoben sich vor die Szenerie, und Schatten krochen wie Gestalten über die weißen Birken und den an jener Stelle deutlich breiteren Bach. Mirja bewegte sich sanft in Richtung des Mannes, der wie gebannt zwischen ihr und der Landschaft hin und her sah. Eine dunkle Strähne fiel ihm in die Stirn, und er wischte sie achtlos zur Seite. Die Augen strahlten wie blaue Steine im wechselnden Licht, und die Nixe verspürte Bedauern, dass Menschsein ihr zuviel Kraft abverlangte.  Cassian wäre es möglicherweise wert, auf einiges zu verzichten.  Sie hob die Hand bis knapp unter die Wasseroberfläche und hauchte: »Sieh hierher, Zauberer!«
Sie spreizte die Finger, und er vergaß beinahe zu atmen. Kleine flackernde Lichter bewegten sich im Wasser und schwebten über die blasse Nixenhand. Was waren das für Wesen, die einen wilden Tanz aufzuführen schienen?
»Was sind das?«  
»Moorglühwürmchen, sie leben im Fluss. Und genau deshalb müssen wir auf diese Welt achten, Cassian. So ein Wunder darf nicht zerstört werden durch Menschen wie Larkin oder Drax.«
Er schwieg, denn er wusste nur zu gut, dass sie recht hatte. Doch sie ahnte nicht, dass gewaltige Mächte bereits planten, die Welt von Larkins und Konsorten zu säubern. Leider nicht nur von ihnen! Cassian konnte sich an dem Gesamtbild nicht sattsehen: Die bleichen Bäume vor dem schwarzen Nachthimmel mit den leuchtenden Sternen, das dunkle Moorwasser und diese Glühwürmchen. Und die Nixe in ihrer außergewöhnlichen Schönheit.
»Himmel, jetzt weiß ich, wie ihr Nixen es schafft, dass die Seeleute euch freiwillig ins Wasser folgen. Mir wäre es auch gerade vollkommen gleichgültig, ob ich ertrinke oder gefressen werde, wenn ich zu dir komme.«
Mirjas goldgrüne Augen schienen sich in seine Seele zu brennen. »Beweis es mir, Zauberer!«
Wie in Trance stand er auf und tat einen Schritt in Richtung Bach und Nixe, dann noch einen. Sein Stiefel machte ein saugendes Geräusch, als er ihn anhob, um weiterzugehen. Sein Fuß wurde nass, sobald er den Uferrand betrat, aber er hielt nicht an. Bis zu den Knien watete er hinein und blieb endlich stehen.
Mirja blickte zu ihm hinauf und streckte die Finger nach ihm aus, die er ergriff.
»Tiefer wird das Bachbett hier wohl nicht werden, Mirja. Muss ich mich hinlegen, damit du mich unter Wasser drücken kannst?«
Er fiel auf die Knie und strich mit der freien Hand über ihr nasses Haar, das sich verwunderlicherweise nicht feucht anfühlte, sondern samtweich. Gemächlich fuhr er ihre Schläfe hinab bis zum störrischen Kinn, weiter am zarten Hals entlang. Harmlos wich er über die Schulter aus, und die Spur, die seine sanften Finger an ihrer Seite bis zur Hüfte zog, ließ sie erschauern. Sie schloss die Augen und genoss die Berührung.
Dann hoben sich ihre Lider wieder, und sie sagte heiser, während sie ihn genau musterte: »Du bist gut, Zauberer. Beinahe hätte ich es dir abgekauft. Stattdessen gehe ich dir auf den Leim.«
Er lachte leise, aber es klang nicht spöttisch. »Ich wollte nur wissen, ob ich jedes Mal mit meinem Leben spiele, wenn ich dir zu nahe komme.«
Sie schwieg, und er spürte, dass sie in ihrem Inneren mit sich selbst rang. »Mirja?« »Es kann nicht sein, Cassian. Auf dem Land zu leben ist nichts für Nixen.« »Ich weiß, mein schönster Stern des Meeres. Aber es ist wirklich zu schade. Wenn ich unter Wasser existieren könnte, würde ich dir sofort folgen.« Ihr Lächeln wirkte unglücklich. »Es wäre nett, nicht alleine zu sein.«
»Du hast jede Menge Gesellschaft hier in den Flusslanden. Und im Meer vermutlich auch«, erwiderte er verwundert, doch sie schüttelte unmerklich den Kopf. Ihr Blick zeigte einen Anflug von Ärger.
»Verspotte mich nicht! Du bist genauso einsam wie ich. Wir sind anders als der Rest, das macht uns zu Ausgestoßenen.«
»Ich fühle mich nicht ausgestoßen, Mirja. Aber du magst recht haben, dass ich kaum feste Freundschaften pflege. Was ist an dir so anders als an den Flussmenschen von Castrum
Nun drückte der Blick eindeutig Entsetzen aus. »Die Sippschaft von Thoosos, den du dort gesehen hast, der Larkin tötete – sie sind grausam.«
»Was ist mit deiner Reaktion gestern? Die spitzen Zähnchen? Der getötete Hauptmann, was ist mit ihm? Bist du weniger erbarmungslos?« Sie richtete sich neben ihm auf und zischte wütend. Vorsichtig zog er sich zurück.  
»Er hatte es verdient, er quälte die Frauen, die ihm zu Dienste sein mussten.« »Und was ist mit mir? Hast du dich in unserer gemeinsamen Nacht gequält gefühlt? Du hattest keinen Grund, mich gestern mit diesem Gebiss anzugreifen.«  
Cassian spürte unsinnigerweise einen Stich in der Herzgegend. Warum machte er sich etwas daraus, ob sich eine Nixe von ihm angezogen fühlte oder nicht? Sie hatte ihn hinters Licht geführt und war gewalttätig veranlagt, ganz zu schweigen von ihrem Mangel an Kritikfähigkeit. Mirja starrte ihn an, und der Glanz in ihren Augen erlosch. Sie zog die Hand aus dem Wasser und stieß ihn heftig von sich. Das Leuchten und die Glühwürmchen verschwanden. Eine große Wolke schob sich vor den Mond und der Zauber dieses Ortes war dahin, als sich die Nixe wortlos abwandte und durch das Bachbett entfernte.
Cassian rappelte sich hoch und fluchte, als ihm bewusst wurde, dass er nun beinahe vollständig durchnässt war. Er watete ans Ufer und folgte dem Pfad zurück zum Kahn, wo er sich erst einmal trockene Kleidung anzog. Von den Schatten im Fluss war nichts mehr zu sehen, und ein leichtes Glühen am Horizont zeigte das Herannahen des Morgens.  

 

Ihr kennt Teil I der Sternenflut-Trilogie noch nicht?

Das E-Book "Die Reise" gibt es für 3,99 € bei Amazon.
Die Reiste

Weitere Leseproben zu meinen Büchern findet ihr in den vorigen Blogeinträgen und auf meiner Facebookseite Ainoah Jace, Autorin.
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Letzte Änderung am Donnerstag, 07 Oktober 2021 08:29