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Der Bodensee-Reiseblog – Geschichte, blühende und rankende Natur und - mmmh - Wein!

Lest ihr auf der Couch, Liege oder im Bett? Nur im Urlaub oder jeden Abend zur Entspannung zuhause? Wo war euer schönster oder spannendster Leseort?

Sind Fantasien gefährlich? Vermutlich schon, wenn man auf der Klippe steht und vom Fliegen träumt.zwinkernd

Reisen, träumen, lesen, schreiben - alles hängt für einen fantasiereichen Menschen zusammen. Ein Land, das meine Fantasie beflügelt hat wie kein anderes, ist Sri Lanka.

Sri Lanka war das erste außereuropäische Land, das mein Mann und ich bereisten. Ein Kulturschock, den wir bis auf die hohe Luftfeuchtigkeit schnell verkrafteten, da diese Insel wunderschön ist.
Das ehemalige Ceylon, britisches Kolonialland mit spannender Geschichte, besitzt unzählige außergewöhnliche Orte. Natürlich sind für viele Menschen die traumhaften Strände das Wichtigste, aber für mich war der tiefe, grüne Dschungel von größtem

 Sri Lanka Urheber Blog
Copyright Uditha Wickramanayakalicense creativecommons

Reiz. Stundenlang fuhren wir durch dichte Plantagen oder Palmenhaine, besichtigten Tempel, bekamen Buddhas in allen Ausführungen und Größen zu sehen und waren von der ruhigen Freundlichkeit der Singhalesen begeistert.

Nun lief vor einigen Wochen das Traumhotel (Sri Lanka) und ich fühlte mich wieder mitten in meine Erinnerungen versetzt.
Gut, ich hatte den Sigirya-Felsen nicht benachbart zum Elefantenwaisenhaus im Kopf. Es könnte natürlich an einem mangelhaften geografischen Gespür gescheitert sein, ansonsten finde ich schöpferische Freiheit in engem Rahmen erträglich. Die Ausblicke auf Teeplantagen und Dschungel waren wie immer gekonnt umgesetzt, der Zuschauer bekam wunderschöne Eindrücke vermittelt und die bezaubernde Yvonne Schönherr zeigte, was mit der Beschreibung "Augen wie Teiche" gemeint ist.

Der Sigiriya-Felsen, Heimat des über 1500 Jahre alten Gemäldes der Wolkenmädchen (inzwischen Weltkulturerbe) war für mich nicht bis zum letzten Punkt erreichbar, da ich nicht schwindelfrei bin. Der Besuch der Ausgrabungen auf dem Felsen, nur erreichbar auf schmalen Holzstegen über dem tiefen Abgrund, verlangten mir bereits alles ab. Dabei hatte ich eigentlich schon in Colombo (7. Etage im Hilton) befürchtet, ich müsste auf dem Boden an der Wand schlafen, den hervorragenden Ausblick konnte ich dort nicht genießen. Die Wolkenmädchen besuchte mein Mann alleine (er kann deren Schönheit vielleicht auch besser würdigen als ich zwinkernd) und ich sah sie mir auf den Fotos an.

Was beeindruckte mich in dieser ganz anderen Welt am meisten:
- die Geräusche im Dschungelhotel
- die zarte Blüte auf dem Kopfkissen, das Bett unter dem romantisch beleuchteten Moskitonetz
- die Stadt Kandy in der Abendsonne, wenn Scharen von Flughunden zwischen den riesigen Bäumen am Flussufer in lauter Unterhaltung hin und her flattern
- das fantastische Mittagessen in einem Berghotel hoch über den Baumkronen, in denen wir kreischende und turnende Affen beobachten konnten.

Diese, tief in meine Erinnerungen eingegrabenen Stunden werde ich niemals vergessen und sie haben sich in meinen Büchern wieder hervorgearbeitet.
Wenn Nell und Shane sich durch die Baumkronen Djamilas bewegen, auf dem Weg in die tödliche Gefahr eines Dschungels, dann habe ich dieses zugleich zauberhafte und auch tief beeindruckende Bild vor Augen und höre die Affen (Nyani) Alarm schlagen.

New York wird mich wegen einem vermutlich unumgänglichen Aufenthalt in Wolkenkratzern sicher niemals sehen. Aber viel schlimmer ist, dass ich wieder Fernweh bekommen habe: Ganzheitliche Heilung nur möglich durch akutes Reisen.
Ein wenig abzuschwächen kann ich es allerdings dadurch, dass ich über fremde Orte schreiben.

Auszug aus "Jäger" - Band 2 der "Traumwandlerin-Saga"

Ein Schatten schlich unter dem Baum umher und Nell tippte Shane vorsichtig an die Schulter. Als dieser sich nach ihr umdrehte, wies sie schweigend hinunter.
Die beiden Männer verhielten sich still und beobachteten den Boden unter ihnen. Nun konnten sie im Schein des aufgehenden Mondes sehen, was es war: eine Tigerkatze! Deutlich kleiner als die Dolchkatzen, mit sehr geschmeidigen Bewegungen. Und als sie zu ihnen herauffauchte, konnten die drei sehen, dass auch dieses Gebiss mit Fleisch und Knochen eines Menschen sicher kurzen Prozess machen konnte.
Nell schluckte und sah nervös zu Shane hinüber, der breit grinste und leise meinte: „Nell, sie kann hier nicht hinauf: Es gibt keine Äste, nur die stachlige Rinde. Und wir bleiben einfach hier oben, in Ordnung?“
Als sie eilig nickte und ihn unsicher anlächelte, beugte er sich zu ihr hinüber und gab ihr einen kurzen, festen Kuss.
„Das ist mein Mädchen! Wir sind übrigens soweit. Diesmal machen wir die Reihenfolge umgekehrt. Ich fahre vor, dann du, Nell, und Tiger, du passt hinten auf, dass Nell nicht einschläft. Nell, wenn du müde wirst, sag Bescheid. Bevor du einschläfst, möchte ich, dass du bei mir auf dem Wagen sitzt! Verstanden?“
Die beiden nickten und dann ging es los. Immer leicht bergab, so dass sie sich langsam mit dem Vorwärtsziehen und auch mit dem Gebrauch der Bremsen, die sich am Seil festklemmten, wenn sie gezogen wurden, vertraut machen konnten. Unter ihnen raschelte es immer wieder und nach und nach gewöhnten sie sich an die anderen Laute des Dschungels:
Vögel zwitscherten in allen Tonlagen, in kurzen und langgezogenen Tönen. In der Ferne hörte man das Kreischen von Affen und einmal auch das Gebrüll einer Tigerkatze. Es war wie Musik: Eine seltsame, aber auch berauschende Musik, die einen verführte, in Träume einzutauchen. Nell rief sich selbst immer wieder zur Ordnung, wenn sie spürte, dass sich ihre Gedanken von der Wirklichkeit entfernten. Denn war sie einmal in irgendwelchen Tagträumen unterwegs, war die Gefahr dabei einzuschlafen groß. Sie waren sich bewusst, dass sie in einer ihnen unbekannten und sehr gefährlichen Welt unterwegs waren. Dennoch war es dort oben auf den Seilen faszinierend und Nell hoffte, dass sie morgen noch alle diesen Ausblick, den sie in ihrem gestrigen Traum gesehen hatte, auch im Hellen genießen könnten. Sie gewöhnten sich an die Geräusche und schließlich kamen sie an den steilen Hang, der den Beginn vom „gefährlichen Tal“ bedeutete. Shane hielt an und fixierte die Bremse. Vorsichtig lehnte er sich nach vorne und spähte hinab.
Das ging ja verdammt steil hinunter!
Er drehte sich zu den beiden anderen um und erkannte im Licht des abnehmenden, aber immer noch sehr hellen Mondes, dass Nell müde wirkte. Tiger sah ihn fragend an und Shane meinte entschlossen:
„Es wird ab jetzt ziemlich steil. Nell, du kommst jetzt zu mir, denn ich weiß nicht, ob deine Kraft für die Bremsen ausreicht. Tiger, wenn du nicht mehr kannst, dann warne mich vor, bevor du mir hinten auffährst. Wenn du langsam ankoppelst, kann ich dir helfen!“
Tiger nickte und grinste etwas angespannt. „Ich werd‘s schon schaffen, Shane. Mach dir keine Sorgen.“
Shane fiel plötzlich auf, wie sehr sich Tiger in den letzten Monaten verändert hatte. So wie Nell weiblicher und erwachsener geworden war, war aus dem Jungen ein junger Mann mit breiten Schultern und einem muskulösen Körper geworden. Das Training von Lilas sah man ihm deutlich an.
Shane nickte zurück. „Klar schaffst du das! Du bist ja kein Mädchen“, grinste er mal wieder frech Nell an, während er sie vorsichtig zu sich auf den Wagen zog.
Nell schnaubte nur leise durch die Nase. Solche Sätze waren es gar nicht wert, darauf zu antworten. Sie zeigten ihr allerdings immer wieder mal, dass Shane auch noch nicht lange erwachsen war.
Sie setzte sich zwischen Shanes Beine und erstarrte, als sie nun sah, wie steil es hier hinunterging.
„O Gott, Shane, wir werden uns auf dem Brett nicht halten können und runterrutschen“, keuchte sie entsetzt auf. Shane nahm ein Seil, welches er vorsorglich aufgeladen hatte und schlang es um ihrer beider Körper. Dann befestigte er es an einem Haken an der Rückseite des Rollwagens. Er wartete, bis es Tiger ebenso gemacht hatte, dann zog er sich und Nell sanft über die Rollen, nach denen es steil bergab ging.
„Wenn‘s geht, nicht zu laut kreischen, Nell! Sonst ist das Überraschungsmoment bei Norisha vertan“, neckte er sie, und Nell, der bereits ein Schrei auf den Lippen gelegen war, presste diese fest zusammen und hielt sich beinahe panisch an Shanes Hosenbeinen fest. Kurz schloss sie die Augen, aber als sie spürte, dass Shane die Kontrolle über das Tempo des Wagens hatte, öffnete sie diese wieder und beobachtete diesen unbekannten Teil des Dschungels genau.
„Das gefährliche Tal“ sah aus wie der Dschungel, den sie soeben verlassen hatten; nur etwas dichter und grüner erschien er ihr. Deutlich anders waren allerdings die Geräusche hier unten: Weniger Zwitschern, mehr Gekreische, Geknurre und Gefauche waren zu hören und ihnen wurde bewusst, dass sich unter ihnen eine große Anzahl der Dolchkatzen befanden, die die Eindringlinge vermutlich schon gehört hatten. Nach dem steilen Abhang tauchten sie wieder in den Dschungel ein.
Shane beobachtete die Bäume genau. Aber hier war die Seiltrasse viel weiter weg von den Bäumen als im oberen Dschungel.
Da! Dort drüben auf einem der Urwaldriesen stand eine, nein, es waren drei von diesen riesigen Tieren, die zu ihnen hinübersahen. Eine Dolchkatze legte den Kopf zurück und ließ ein schauerliches Gebrüll hören und bekam vielstimmige Antwort aus dem Blätterwald unter ihnen.
„Na wunderbar! Soviel zum Überraschungsmoment!“, knurrte Shane genervt. Langsam zog er sich dahin und Tiger folgte ihm dicht auf. Wachsam beobachteten sie alles um sie herum.Dann spürte Shane, dass Nell trotz der beängstigenden Situation ihrem unbändigen Verlangen nach Schlaf nachgegeben hatte und eingeschlummert war. Sie schlief tief und ruhig und Shane bemühte sich, sie nicht zu wecken.
Nach einiger Zeit wurde sie langsam unruhig und begann sich zu bewegen. Das Traumwandeln begann und Shane wusste nicht, wie weit sie noch hatten.

Wenn ich alles richtig gemacht habe, dann seht ihr beim Lesen Sri Lanka - Djamila vor euch, hört die Affen schreien und die Raubkatzen fauchen. Ihr spürt die Feuchtigkeit der Luft auf eurer Haut und das verwirrende Gefühl im Magen, wenn ihr euch in großer Höhe bewegt.

Ainoah

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Auf den Himmelsschollen

Lässt sich Fantasie verbiegen?

Meine Fantasie ist im Laufe meiner Autorentätigkeit flexibler geworden, stelle ich freudig fest.

Das hilft mir zwar leider nicht beim Shoppen, wenn das Shirt oder die Schuhe, in deren sicheren Besitz ich mich bereits wähnte, einfach nirgends aufzutreiben sind. Meist weiß ich nur zu genau, wie der angestrebte Kauf auszusehen hat, aber entweder sind meine Wünsche schon wieder out oder noch nicht erfunden oder - am allerschlimmsten - nur in meiner Größe nicht vorrätig. Nicht selten ziehe ich dann unverrichteter Dinge wieder ab und mein Mann freut sich über das gesparte Geld.

Aber beim Schreiben schadet es eher, alles starr zu fixieren. 

Nehmen wir beispielsweise mein neues Projekt - Beretar:
Es besteht aus einigen parallelen Handlungssträngen, da sich mehrere Grüppchen wieder in die düsteren Schluchten des zerrissenen Planeten aufmachen. Die einen wollen wissen, was sich hinter dem Dunklen Tor befindet und wer für die Verwandlung der Shades in Untote verantwortlich ist, die anderen, ob hinter dem Hellen Tor doch eine Heilung von Schwerstverletzten möglich ist. Die dritte Gruppe verfolgt die erste, um sie aus der Gefahrenzone zu bringen, aber ein Ziel ist ihnen allen gemein: Die Rettung der tapferen Admiralin Talin und des Fürstensohns Naim, der im schlimmsten Fall sein Leben für sie umsonst geopfert hat.
Was das mit meiner Flexibilität zu tun hat?
Nun, ich muss nicht nur die ständigen charakterlichen Drehungen meiner geliebten Hauptpersonen mitmachen, sondern auch die Ortswechsel vollziehen. Das mache ich natürlich nur zu gerne, aber es kann kniffelig sein. Meist sind die Orte ja in meiner Fantasie gewachsen und dann in Handlung und Datei eingepasst worden. Aber zufällig sehe ich ein Foto wie dieses und weiß, ich möchte/muss eine Änderung durchführen. Es geht nicht anders, denn genau so sollten die Gebäude auf den Himmelsschollen aussehen, den Teilstücken Beretars, die durch die Explosion in die Weite des Himmels katapultiert wurden und den Gerüchten zu Folge zur Erholung der Fürstenfamilie genutzt werden.
Seht euch diese kunstvollen Bögen und die wunderschönen Grüntöne an, dieses zarte Sonnenlicht, das dem Betrachter angenehme Temperaturen vorgaukelt. In Wirklichkeit herrschte eine sengende Hitze zum Zeitpunkt der Aufnahme.
Genauso wird es auch meinen Helden gehen, die unverhofft auf diesen Ort stoßen und sich in seliger Sicherheit wähnen. Sie werden vermutlich durch meine böse Fantasie bald eines »Schlimmeren« belehrt. Aber noch sind sie nicht am Ziel, denn es liegen noch viele Seiten selbstvergessender, unterhaltsamer und auch auslaugender Arbeit vor mir.

Das Vorwort zu »Beretar«:

»Beinahe wäre er gestolpert, als sich die Beschaffenheit des Bodens änderte. Der harte Fels der Schlucht war verschwunden, unter seinen Füßen spürte er weiches, nachgiebiges Material. Der Duft nach Blüten, den jeder der Kämpfenden vor dem Hellen Tor gerochen hatte, wehte nun in einer leichten Brise verstärkt um die Nase des erschöpften Kämpfers.
Aber Naim konnte diese angenehmen Eindrücke nicht genießen, zu schwer war die Last auf seinen Armen und noch schwerer wog die Hoffnungslosigkeit seines Tuns.
Warum war er durch diese lockende Öffnung im Fels geeilt?
Um die Sterbende, die reglos an seine Brust gebettet lag, zu retten? Ein Wahnwitz, dass er dem Irrglauben der Shades, die auf die Heilung aller Schwerstverletzten hinter diesem Eingang ins Unbekannte vertrauten, gefolgt war.
Der hagere Mann mit dem Falkengesicht hob den Kopf und wusste nicht, mit welchem Anblick er rechnete: Leichen, mehr oder weniger vermodert, oder die menschenleere Blumenwiese, die beweisen konnte, dass die Hoffnung der Schluchtenbewohner nicht vergebens gewesen war. 
Irritiert runzelte er die hohe Stirn. Eine schwarze Haarsträhne klebte an den Schweißtropfen, die sich dort während des harten Kampfes noch eben in der Schlucht gebildet hatte. Mit großer Anstrengung hatten sie gewonnen, aber gegenwärtig stand Naim im Begriff, das Wichtigste in seinem Leben zu verlieren: Talin, die Admiralin der Airballon-Flotte seines Vaters, dem Fürsten Beretars.

Vor ihnen befand sich ein Gang, der in einer leichten Steigung in die Ferne führte. Dieser Weg war die einzig vorhandene Möglichkeit sich vom Fleck zu bewegen, außer den Weg zurück einzuschlagen.
Naim war sich unsicher, ob er überhaupt zurückkonnte, denn bisher gab es keine Rückkehrer durch das Helle Tor. Allerdings war er selbst der einzige Unverletzte, der es je gewagt hatte, hindurchzugehen.
Ihn schauderte kurz, als er daran dachte, was ihm Talin und sein Bruder Fadir berichtet hatten:
»Alle, die zurückkehren, kommen als verbrannte Wesen zurück in diese Welt. Sie kennen nichts und niemanden mehr aus ihrer Vergangenheit. Wen auch immer sie töten können, der stillt ihren unermesslichen Hunger. Die ehemaligen Shades sind zu menschenfressenden Zombies mutiert. Auf dem Weg zwischen Heilung und Tod sind sie auf eine Hölle auf der anderen Seite des Hellen Tores gestoßen. Und dieses Flammenmeer scheint der einzige Ausgang zurück in die Schlucht zu sein.«
Würden er und Talin - sofern jemand für ihre Rettung sorgte - auf dieselbe Weise heimkehren?

Ein leiser Seufzer drang an sein Ohr. Vorsichtig ließ er sich auf die zittrigen Knie sinken und bettete die verletzte Frau auf den weichen Boden. Aufmerksam beobachtete der Kämpfer sie und stellte erleichtert ein kurzes Heben und Senken des Brustkorbes fest. Mit sanften, unbeholfenen Bewegungen strich er ihr das lange, fast schwarze Haar aus dem Gesicht.
Ihre bleiche Gesichtsfarbe war ebenso besorgniserregend wie die offene Wunde an ihrer Seite, die ihr eine dieser fürchterlichen Echsen mit dem messerscharfen Schwanzende aufgerissen hatte. Solche Ungeheuer hatte Naim noch nie gesehen.
Sie waren wie die verbrannten Wesen direkt aus der Hölle gekrochen, die hinter dem Dunklen Tor liegen musste, und hatten die Gruppe der Kämpfer attackiert. Talin hatte sich tapfer geschlagen, war aber durch ihren verletzten Kampfarm deutlich eingeschränkt gewesen. Gesenkten Hauptes dachte er daran, dass er die Schuld an der ersten Verletzung trug und damit auch für ihren möglichen Tod verantwortlich wäre. Vorsichtig drehte er die schlanke Frau auf die unverletzte Seite und registrierte erstaunt, dass sich der Blutfluss aus der Wunde deutlich verlangsamt hatte.
Mit neuem Mut blickte er den Gang entlang, dessen Ende nicht zu erkennen war, und mahnte sich selbst.
»Los jetzt, Naim. Bring sie an einen besseren Ort, an dem es hoffentlich Heiler gibt.«
Seine Lippen zusammengepresst sah er auf Talin hinunter, die er bisher als beherrschte, besonnene und fähige Anführerin kannte. Darüber, dass ausgerechnet er – den sie nicht leiden konnte – auf sie in ihrer Hilflosigkeit hinabsah, wäre sie nicht gerade glücklich.
»Komm schon, Talin,« murmelte er, als er sie behutsam wieder hochnahm und noch etwas wacklig zum Stehen kam. »Lieber von einem arroganten Sadisten gerettet werden als verrecken. Reiß dich zusammen, ich tu es ja auch.«
So sah ihre Meinung über ihn aus und er wusste, dass mehr als ein Quäntchen Wahrheit in diesen Worten lag. Er würde nur zu gerne beweisen, dass er eine zweite Seite hatte, wenn er die Gelegenheit dazu erhielte. Doch diese konnte er nur einer lebenden Admiralin zeigen, was bedeutete, dass er besser schnell Hilfe finden sollte. Der Gedanken an eine Wiedergutmachung seiner Schuld gab ihm Auftrieb.
Seine Schritte, anfangs langsam und unsicher, wurden länger und kraftvoll, während er auf dem Weg durch feinen Nebel in Richtung zunehmender Helligkeit wanderte – eingehüllt von wohlriechender, feuchten Luft.«

Könnt ihr euch diese Welt vorstellen, in die Naim seine Hoffungen setzt?

Eure Ainoah

 

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Ich bin ein Tor-Freak!
Was das ist? Nun, ich gehöre zu den Menschen, die ein Tor sehen und die Fantasie spielt verrückt.
Geht ein paar Schritte mit mir, versteht meine Gedankengänge und erkennt die Möglichkeiten, die ich nutze, Geschichten zu erfinden.

Nehmen wir als erstes Beispiel das Tor rechts.
Ah, bella Venezia, eine Stadt zuweilen morbider Träume und dementsprechend verfasster Erzählungen. Ich persönlich habe Venedig immer nur bei traumhaften Wetter erlPorta a Veneziaebt. Meine Fantasie lässt mich hier also eher eine süße Liebesgeschichte hinter dieser "Porta" erfinden. Eine andere Variante fällt ebenfalls nicht schwer: Die Hauptperson entdeckt beim Eintritt einen Mord und der Mörder ist noch im Haus. Es entwickelt sich ein Katz- und Mausspiel in dunklen Gängen mit vermoderten Teppichen und fadenscheinigen Vorhängen.

Ideen entwickeln geht ganz schnell - Ladehemmung hat meine Fantasie selten, schon gar nicht, wenn Tore in der Nähe sind. Venedig habe ich schon des Öfteren besucht – von Land aus, aber auch per Yacht vom Wasser aus, was völlig andere Blickwinkel garantiert, schon allein bei der Anreise durch die Lagune.
Eine weitere Idee, die ich vielleicht in ferner Zukunft aufgreifen sollte: Die Nonna (Großmutter) wartet auf die Enkelin, die nach der Uni zum Essen kommen wollte. Aber sie taucht nicht auf. Der junge Nachbar wird mit der Suche beauftragt und findet einen Hinweis, der ihn per Vaporetto (Wassertaxi) quer durch die Stadt befördert. Er tritt durch das Tor, das ihm in einer dunklen Gasse als richtige Adresse zugeraunt wurde, und ihn überfällt das Grauen ...
Na, wie klingt das? Das löst bei mir allein der Anblick des Tores aus!


Botanischer Garten Gardasee

Oder diese malerische Tür hier links: Könnte sie der Nebeneingang zu einer herrschaftlichen Villa sein, in welcher ein junger Mann heranwächst, der einst besondere Kräfte haben wird?
Wer bevorzugt eine Liebesgeschichte? Dann eben so: Die Tochter des Grafen öffnet einem Reisenden im vorvorletzten Jahrhundert das Tor und gewährt ihm Unterschlupf vor dem Unwetter in einer Sonnwendnacht. Doch der Wanderer ist aus einer anderen Welt (oder auch einfach nur auf der Flucht vor der Mafia).

Es ist unglaublich inspirierend, wenn man auf bestimmte Auslöser mit einem Ideenschub reagiert. Nur nicht unbedingt für die Familie: "Mama, wo bleibst du? Wir wollen endlich zum Baden" oder "Schatz, stell dich ein bisschen nach rechts, da wirkt das Foto besser." Seufz. "Ja, ich komme schon, ich hatte nur gerade so eine tolle Idee."
Mein ebenfalls künstlerisch tätiger Mann ist dafür eher der Wege-Freak und sieht da allerdings keine Geschichten, sondern Motive, Motive, Motive.

Und so kommt es, dass auch in der Romantasy-Welt, in der ich derzeit unterwegs bin und meine Ideen einbringe, gleich zwei Tore ein große Rolle spielen.

Doch gebt acht: Dem Eindruck des Guten und Bösen, den diese Tore auf den ersten Blick vermitteln, darf man nicht trauen. Das falsche Tor in »Beretar« zu betreten, kann tödlich enden.

Zwischen Naim und Talin knistert es zunehmend, aber jede Ablenkung wäre gefährlich. Die Celesten lassen sie nicht aus den Augen (noch unlektorierter, möglicherweise nicht ganz fehlerloser Auszug).

»Du bist nicht sehr gut für mein Selbstbewusstsein, Talin. Und warst es auch noch nie, wenn ich genau darüber nachdenke.«
Sie lächelte ihn mit etwas zu vielen weißen Zähnen an, als dass er es als ehrlich empfunden hätte und ignorierte ihr Grinsen. Trotz des spöttischen Grundtons ihrer »Beziehung« fühlte er eine stetig wachsende Zärtlichkeit ihr gegenüber, die ihm Angst einjagte.
So antwortete er mit brutaler Offenheit, um sie wie gewohnt zu provozieren. Irgendwann würden seine Spitzen treffen und sie zu einer Unvorsichtigkeit verleiten. Käme sie ihm dann zu nahe, wäre er am Ziel seiner Träume.
»Sie denken vermutlich, dass ich ihnen im Wege bin, um eine Beziehung mit dir aufzubauen.«
Talin sah ihn mit geweiteten Augen an und schüttelte ungläubig den Kopf. Das dunkle Haar reichte ihr inzwischen bis über die Mitte des Rückens und eine lange Strähne rahmte das nicht mehr so ausgezehrt wirkende Gesicht liebevoll ein. Ihre Blässe war einer gesunden Gesichtsfarbe gewichen und die zartrosa Lippen waren immer häufiger zu einem Lächeln verzogen. Sie ist schöner denn je, dachte er bei sich, als er in ihren strahlenden grauen Augen versank. Kein Wunder, dass sie nicht nur auf ihn äußerst anziehend wirkte.
Zögernd hakte sie nach: »Ich täusche mich also nicht, dass ich das Gefühl habe, dass mich ständig eine anstarrt oder zu berühren versucht?«
Naim schüttelte grinsend den Kopf und Talin fluchte unterdrückt. Den nächsten Kommentar konnte er einfach nicht verbeißen.
»Du weißt, was diesem unangenehmen Verhalten sofort ein Ende bereiten würde?«
Talin sah ihn böse an und er begann zu lachen. Ja, natürlich verstand sie, was er meinte. Zwei der Celesten beobachteten sie und Naim konnte nicht widerstehen.
»Jetzt wäre die einmalige Gelegenheit, deinen Verehrerinnen deine heterosexuelle Veranlagung deutlich zu machen. Soll ich dich küssen?«
»Wir sind in einem Tempel, Naim.«
»Und der Weg nach draußen ist nicht weit, Liebste.«
Talin konnte nicht verhindern, dass ihr die Röte ins Gesicht schoss, denn der Gedanke, den Naim in ihr Bewusstsein gepflanzt hatte, übte mehr denn je einen unheilvollen Reiz auf sie aus. Bereits auf Beretar war Naim wie eine verbotene Frucht in ihrem Garten Eden gewesen. Ein menschenverachtender Mann mit einem Hang zur Brutalität, der sie dennoch immer angezogen hatte. Dies hätte sie »unten« niemals zugegeben, aber es war die gefährliche Wahrheit.
Warum gefährlich?, fragte sie sich selbst. Was habe ich zu verlieren? Meine Heimat und meine Aufgabe habe ich bereits verloren und werde beides niemals zurückerhalten.
»Er ist nicht standhaft, er wird mich gebrauchen, um seinen Willen durchzusetzen wie bei einer Wette. Es geht nur um den Gewinn. Danach bin ich wertlos für ihn.«
Verbittert sprach sie ihre Gedanken aus und Naim erstarrte vor ihren Augen. Als Talin voller Überzeugung in seine dunklen Augen sah, erschrak sie über den Schmerz, den sie dort sah. Hatte sie sich geirrt?
Doch sie wagte es nicht, genauer nachzuforschen, und ließ ihn stehen, plötzlich voll des schlechten Gewissens. Ab diesem Moment konnte sie Naims Bild, wie er sie durch das Helle Tor und den Weg hier herauf getragen hatte, nicht mehr aus ihrem Kopf verdrängen.
Der gekränkte Mann ging ihr einige Zeit aus dem Weg, allerdings nicht so weit, dass sich die Celesten Talin zu nähern gewagt hätten – eine unbefriedigende Situation für Mann und Frau.

Eines Abends spazierten Talin und Naim nach dem Gebet um den Tempel und die Admiralin fragte ihren Begleiter stirnrunzelnd:feuertor
»Riechst du das auch, Naim? Brennt es hier?«
Er hob mahnend die Hand und Talin schwieg erstaunt. Naim sah sich wachsam um, gab ihr ein Zeichen und sie folgte ihm mit geschmeidigen Schritten hinter das Buschwerk. Dann erstarrte sie.
Direkt vor ihr erhob sich der gleiche Zaun, der Neugierige vom Betreten der Moore abhielt. Auf der anderen Seite dieser Absperrung befand sich in der Ferne hinter der übel riechenden Wasserfläche eine felsige Erhebung. Mitten in diesem Felsblock loderten niedrige Flammen und Talin flüsterte erstickt:
»Die andere Seite des Dunklen Tores?«
Naim legte ihr den Finger auf die Lippen und sie hörten die Stimme Anrynns, die die Gruppe der Shades wieder für den Rückweg versammelte.
»Talin, Naim? Wo seid ihr? Wir müssen zurück.«
Sie ignorierten sie und Naim raunte Talin zu:
»Nein, es ist der Ausgang des Hellen Tores, Talin. Hier bin ich mit dir angekommen.«

Die Tore Beretars halten immer noch Überraschungen der guten oder bösen Art für die Rettung suchenden Menschen bereit.

Seht ihr die Türen und Tore auf eurem Weg demnächst mit anderen Augen?

Eure Ainoah

 

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Fantasy-Szenerie am Gardasee:

Keuchend durchqueren wir den kleinen Ort Campo auf der Ostseite des Gardasees.
Die Einwohner investieren zurzeit eine Menge Mühe und vermutlich Geld in die Restauration der teils verfallenen Häuser. Allerkleinste Räume mit Miniterrassen laden den durstigen Bergwanderer zu einem Cappuccino ein, dessen Verkaufsmarge vermutlich direkt in den Fond zugunsten der Baumaßnahmen fließt.
Kripperl für blog GardaseeKleine Krippen sind überall in Felsnischen eingebaut – fast könnte man sie übersehen (s. rechtes Bild - die Szene ist winzig in einen kleinen Felsdurchbruch geschickt eingebaut, dahinter die Westufer südlich von Campione). Zahlreiche Projekte ortsnaher Künstler oder auch von Schulklassen zur Geschichte des Garadasees während des letzten Weltkrieges finden hier eine ganz besondere Präsentationsfläche.

Wir erfrischen uns etwas am dorfeigenen Brunnen, heben den (in meinem Fall leicht gequälten) Blick in Richtung Prada und steigen frischen Mutes bergauf. Dabei säumen Mauern unseren Weg, die irgendein fleißiger Olivenbauer einst zur Terrrassierung seiner Flächen gefühlvoll aufgeschlichtet hat. Rankpflanzen wie Efeu und kleine blaue Veilchenarten ziehen sich inzwischen die Mauern hoch und heben sich wunderschön, grün auf silber, von den Steinen in unterschiedlichsten Größen ab.

Mein Mann ist Fotograf und trägt nicht nur mit seinen Covern viel zu meinen Büchern bei, sondern lässt mich oft lange warten, was im Klartext bedeutet: Ich habe Zeit, ganz entspannt an meinen Geschichten zu feilen. In der Natur bin ich ein sehr geduldiger Mensch. Ich kann lange dastehen und nur schauen, während meine bessere Hälfte mal wieder auf der Jagd nach dem Motiv ist, das er hier wirklich noch nie (wer’s glaubt) geschossen hat. krieger und drachenmauerAlso verweile ich und lasse den Blick wandern, beobachte eine Eidechse, wie sie unter dem Efeu hervorhuscht und schon ist sie da: die nächste Idee und damit ein Kapitel, das in "Zaramé III - Krieger und Drachen" bisher nicht eingeplant war.

Genau hier entstand die Idee zu folgender Szene in "Zaramé III - Krieger und Drachen" - aus dieser entwickelte sich ein ganzes Kapitel über die Flucht der Kandaharen vor der Flut, die der Zauberer Seros auslöst:

»Carlos blickte immer wieder bewundernd zu Ysabeau hinüber, die sich beinahe spielerisch in atemberaubender Geschwindigkeit nach oben zog. Dies kostete ihn immer wieder Zeit, so dass er sich bemühen musste, nicht von ihr abgehängt zu werden. Flugs wanden sie sich zwischen dicken Wurzeln und dünneren Ästen hindurch, zwischen welchen große rote Blüten wuchsen. Carlos wunderte sich, dass die großen Kelche trotz des hellen Tageslichts geschlossen waren. Ob dies wohl Nachtgewächse waren?
In demselben Moment hörte er einen Schrei von oben und streckte instinktiv die Hand aus. Gerade im letzten Moment erwischte er Ysabeaus Arm und hielt sie fest. Mit seinem anderen Arm klammerte er sich haltsuchend an eine Wurzel. Warm spürte er das Blut herabrinnen, denn die plötzliche Wucht hatte ihn über die harte Wurzel geschrammt und die Haut stark aufgerissen. Aber er nahm dies nicht wahr, denn er blickte in die, vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen seiner Gefährtin.
Ysabeau hing nur mit einer Hand an der seinen, stellte aber nun die Füße rasch ab, um Halt zu gewinnen. Mit der anderen Hand schlug sie verzweifelt um sich und nun konnte Carlos erkennen, dass ein handgroßes Geschöpf an ihrer Schulter klebte. So etwas hatte er noch nie zuvor gesehen.
Es ähnelte einer Eidechse, hatte aber zwei Füße und zwei Arme. Der Kopf war länglich und mit starken Zähnen versehen, welche es mit grimmigem Knurren nun in Ysabeaus Schulter schlug. Ysabeau schrie vor Schmerz laut auf und Carlos zog sie mit einem kräftigen Zug zu sich herauf. Er presste ihre Hand auf die Wurzel und sie griff zu.
Im nächsten Moment hatte Carlos das kleine Untier mit seiner nun freien Hand im Genick gepackt, worauf es glücklicherweise sofort sein Maul öffnete und damit Ysabeau losließ. Carlos schleuderte das Tier nach unten. Er sah, dass Marlo und einige Männer eilig nach oben kletterten, jedoch waren sie noch zu weit weg, um zu helfen.«

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Eure Ainoah

 

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Mein mega-langer Urlaubsblog – Kroatien oder: Auf den Spuren meiner Kindheit und was daraus wurde.