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Donnerstag, 04 Oktober 2018 10:19

Die Suche – Sternenflut II

geschrieben von

Spannende und romantische All Age Fantasy!

Hinterlistige Zauberer und gefährliche Wesen auf den Inseln des Südwinds erschweren Cassians Suche nach den Auserwählten und seiner verführerischen Nixe.

Beschreibung

All Age Fantasy: Die Suche, Sternenflut II Cassian muss im Auftrag der Sternenwächter drei Menschen finden, deren Charakter für die Begnadigung der gesamten Erdbevölkerung spricht. Keine einfache Aufgabe; außerdem macht er sich Sorgen um seine verführerische Nixe, die spurlos verschwunden scheint.
Auf dem Weg zu den Inseln des Südens beginnt er zu begreifen, dass der oberste Zauberer ein böses Spiel mit ihm treibt. Ein Angriff im Dschungel und das Auftauchen eines weit mächtigeren Wesens fordern die ersten Opfer unter Cassians Begleitern. Wem darf er noch trauen?
Als seine Suche zu einem erschreckenden Ergebnis führt, wird die Jagd auf ihn und seine Gefährten fortgesetzt – von einem bisherigen Verbündeten. Cassian muss sich auf seine Wurzeln besinnen und handeln.
Doch wird er seine drei Auserwählten überreden können, die Gefahren einer Prüfung auf sich zu nehmen?

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Vorwort
Kapitel 2: Meeresgewalten
Kapitel 3: Inseln des Südwinds
Kapitel 4: Der Tempel
Kapitel 5: Schlangen und Schlimmeres
Kapitel 6: Feenwald
Kapitel 7: Nixenmut
Kapitel 8: Das Leiden des Zauberers
Kapitel 9: Kressins Haus
Kapitel 10: Lyhmbia
Kapitel 11: Anmerkungen der Autorin
Kapitel 12: Der Künstler lebt auch vom Applaus
Kapitel 13: Namen zum Nachblättern
Kapitel 14: Weitere Bücher der Autorin
Kapitel 15: Informationen und Kontakt

Leseprobe

Heftige Schläge und dunkles Trommeln ließen das Schiff erbeben. Der Seegang war stärker geworden, seit sich die Nerissa wieder ihrem Ankerplatz vor der Küste näherte. Es würde eine ungemütliche Anlandung für ihre Passagiere werden.
Cassian erwachte mit schmerzenden Gliedern. Sein Herz schlug rasend, was eine Folge des Traums war, der ihn eben heimgesucht hatte. Die Härte des Holzbodens tat ihr Übriges, um ihm einen erholsamen Schlaf zu verwehren. Diesen hätte er nötig gehabt, denn der vergangene Tag hatte ihm durch zwei gut gezielte Pfeile Verletzungen an Arm und Schulter eingebracht. Nach einer Ohnmacht, gefolgt von einem kurzen Nickerchen, hatte er der Versammlung beigewohnt, deren verblüffenden und erschreckenden Beschluss er noch nicht verdaut hatte.
Was ihn weniger erstaunt hatte, war das spätere Verhalten seines Obersten der Zauberergilde der Stellarden. Hekatus hatte ihn, Cassian, ohne Wissen der anderen Teilnehmer zu drei Monaten Kerker verurteilt und sofort einsperren lassen.
Genau diese drei Monate hätte Cassian eigentlich im Sinne der Versammlung zur Suche nach Menschen verwenden sollen, denen eine besondere Aufgabe gestellt würde: die Rettung der Menschheit.
An deren Rettung war dem eitlen und gierigen Hekatus ebenso wenig gelegen wie am Wohl Cassians.
Dies war der Grund dafür, dass er sich in diesem Abstellraum weit unter der Wasseroberfläche im riesigen Bauch des Zweimasters befand.
Die Welt war voller wundersamer Geschöpfe, doch manche von ihnen hatten ein habsüchtiges Wesen.
Über allen stand Gaia, die Schöpferin, die mit vielen anderen Göttern meist wohlwollend herrschte. Ihr untertan waren die Sternkreiszeichen, die über ihren Bereich im All wachten. Sie sandten Sternenwächter auf die Erde, die dort in irdischer Gestalt, als Tier oder Mensch, die Entwicklung im Auge behielten.
Darüber hinaus gab es die Zauberer. Sie lebten oft allein und unerkannt verstreut über alle Landstriche und bemühten sich, den Sternenwächtern hilfreich zur Seite zu stehen.
Aber weder Götter noch Sternenwächter und schon gar nicht die Zauberer waren ohne Fehl und Tadel. Und so setzte der eine oder andere seine eigenen Interessen über das Allgemeinwohl. Der Oberste Zauberer Hekatus war der Schlimmste unter ihnen, wohingegen Cassian mildtätig und hilfsbereit war, wenn auch gelegentlich ein wenig zu gleichgültig.

Unter Stöhnen setzte sich der gefangene Zauberer auf und lehnte sich an die hölzerne Wand seines Kerkers. Sein Blick wurde wach, als er erkannte, dass das Wasser vor dem Bullauge nicht mehr so dunkel war wie zuvor.
Die Nacht war vorüber.
Er musste zusehen, dass er hier heraus kam. Denn Hekatus hatte angekündigt, ihn für die Dauer seiner Gefangenschaft an einem anderen Ort unterzubringen. Eine Flucht von dort wäre sicher nicht leichter.
Cassian legte den schmalen Kopf lauschend zur Seite.
Kein Ton war zu hören. Man konnte denken, er wäre bereits allein auf dem Schiff. Lärm zu veranstalten, um jemanden auf seine Zwangslage aufmerksam zu machen, würde nichts bringen, da das viele Wasser um ihn herum und die vier Stockwerke über ihm jeden Laut schluckten.
Er musste versuchen, sich einem der Meeresbewohner, die am Bullauge vorbeischwammen, bemerkbar zu machen.
Der hagere Mann rappelte sich auf und trat an das runde Fenster. Ein Heringsschwarm zog vorüber, doch die Fische waren auf ihren Schwarm und eine eventuelle Gefahr von oben konzentriert. Was gäbe er dafür, wenn seine kleine Nixe jetzt vorbeikäme? Warum war Mirja nicht zur Versammlung erschienen, obwohl sie deshalb auch den weiten, gefährlichen Weg durch die Flusslande bis an die Küste auf sich genommen hatte? Seine Nixe – verführerisch und unberechenbar, sinnlich und angriffslustig – sie fehlte ihm.
Doch das einzige Wesen mit einer großen Schwanzflosse vor seinem Fenster war ein Tümmler, der hereinspähte. Cassian bemühte sich, dem Tier Zeichen zu geben, aber dieses lächelte lediglich auf die unnachahmliche Weise, wie dies nur Delfine tun. Cassian kam sich bei seinen Bemühungen mit einem Male lächerlich vor.
Seufzend versuchte er es erneut bei einer Schildkröte. Sie ruderte mit ihren paddelartigen Beinen und starrte ihn neugierig an.
Cassian überlegte, ob er doch irgendwie Zeichen an einen seiner Gefährten geben konnte. Würde nicht Cosmee, die rätselhafte Schönheit, seine Gedanken lesen können wie auch in den letzten Tagen? Der Zauberer hatte keine Ahnung, auf welche Entfernung dies möglich war.
Musste er erneut seinen Eid, nicht zu zaubern, brechen, um hier herauszukommen?

Da hörte er schwere Schritte. Sie gehörten weder Hekatus noch einem seiner Gefolgsleute, dessen war er sich gewiss. Er wich von der Tür zurück, als sie auch schon aufgerissen wurde.
Mit diesem Mann als Befreier hatte Cassian niemals gerechnet: Groß und breit stand er im Rahmen der Tür: Herakles, der Wächter des gleichnamigen Gestirns.
»Hier haben sie Euch also versteckt«, brummte der Hüne, und Cassian atmete erleichtert auf.
»Woher wusstet Ihr es?«
»Das fiese Grinsen dieses machthungrigen Zauberers in Kombination mit seiner Aussage, dass Ihr vor der gewaltigen Aufgabe geflohen wärt, ließ nur einen Schluss zu.«
Cassian nickte geschmeichelt.
»Ihr habt es nicht geglaubt?«
Der Hüne stieß ein schnaubendes Lachen aus.
»Man sagt Euch Lässigkeit und Besonnenheit nach, keine Feigheit. Jetzt lasst uns gehen. Eure Reisegefährten dort oben sind besorgt um Euer Wohlergehen.«
»Ist Hekatus noch an Bord?«, wollte Cassian wissen, während er hinter dem überbreiten Herakles die Treppen emporstieg. Seine Wunden schmerzten bei jeder Bewegung, aber dies war nebensächlich. Immerhin war er wieder frei!
»Der hat sich in dem Moment aus dem Staub gemacht, als ein Tümmler den Kopf aus den Wellen streckte und seinem Sternenwächter die Neuigkeit mitteilte, dass sich in der untersten Kammer im Schiff ein Mann befindet, der seltsame Zeichen gibt.«
Cassian grinste, als er sich das Gesicht der Zauberer-Obersten vorstellte.
»Cassian«, scholl es ihm aus mehreren Kehlen entgegen, und Cosmee fiel ihm erleichtert um den Hals. Gleich darauf löste sie sich von ihm und musterte ihn genau.
»Wie geht es dir? Was machen deine Verletzungen?«
»Die Schmerzen sind erträglich. Alles in Ordnung, meine Liebe.«
Er blickte an ihr vorbei zur Küste, wo soeben vier Männer mit schwarzen Umhängen aus einem Beiboot an Land gingen. Der Hagerste von ihnen wandte sich in Richtung des Schiffes, und Cassian spürte die Wellen der Wut bis in seine Seele. Nein, Hekatus war nicht glücklich über Cassians Befreiung.

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Umfangreiche Leseprobe aus der Taschenbuchversion:
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  • Mehr als 15% der Taschenbuchversion
  • 46 Seiten
  • PDF, Größe 0,6 MB

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Rezensionen

... aus seinem selbstgewählten Wolkenkuckucksheim in die doch oft harte Realität zu treten, und das auch noch freiwillig. Es ist auch nicht leicht, sich aufzurichten statt zu dulden, notgedrungen Täter zu sein statt immer moralisch einwandfreies Opfer. Aber nur so funktioniert das menschliche Reifen, denn wir sind zum Leben geboren, nicht zum Überleben...! Das hat die geistige Mutter dieser Geschichte erfahren, erkannt und durchaus erfolgreich umgesetzt. Und wer als Leser möchte, kann mitwachsen, indem er lernt, zu sehen, sich selbst zu beobachten, zu agieren statt immer nur durch Gelegenheiten zu treiben. Der zweite Teil der Trilogie ist viel klüger als der erste. Ich bin gespannt, wie der dritte das toppen will!

Der Zauberer Cassian hat eine schwere Aufgabe zu erfüllen: In nur drei Monaten soll er drei würdige Menschen finden, die es schaffen, die Prüfungen der Götter zu bestehen und damit ihren Zorn gegen die Menschheit abzuwenden. Dabei stellen sich ihm nicht nur seine Oberen in den Weg. Zusammen mit seinen Gefährten macht er sich auf die gefahrvolle Suche, immer mit den Gedanken dabei, wem er überhaupt noch trauen kann.

Die Geschichte schließt direkt an den letzten Band an. So kommen viele bekannte Charakter wieder vor, wenn auch Cassian in deren Mittelpunkt bleibt. Der Zauberer muss sich dieses Mal nicht nur der Suche widmen, sondern auch sich selbst, seine bisherigen Entscheidungen und seine Verbündeten und Feinde hinterfragen. Dabei wird ihm bewusst, dass nicht nur die Menschen stets ihre eigenen Ziele verfolgen.

Zwar hat der Beschluss der Zusammenkunft im letzten Band das Ende der Menschheit angedroht. Diese große Gefahr wird hier aber immer mal wieder erwähnt, scheint jedoch nicht so drohend zu sein, wie viele unmittelbare. Die Suche bringt die Gefährten immer wieder in die Nähe – und den Konflikt – mit mächtigen Menschen und Wesenheiten. Dabei wechseln sich gefahrvolle Szenen aber auch mit solchen ab, in denen ihnen eine Ruhepause gegönnt wird und die Cassian dazu nutzt, sich Gedanken über seine Einstellungen zu machen.

Die Welt der Sternenflut Reihe besitzt eine komplexe Hierarchie an Göttern, Sternenwächtern und fantastischen Wesen, die neben den Menschen existieren. Da ich diese schon im ersten Band kennengelernt habe, fiel mir hier das Verständnis leichter. Mir gefällt der fantastische Teil der Geschichte auch deshalb, weil er Bekanntes mit Neuem vermischt und dadurch eine ganz eigene Welt erschafft. Verbunden mit Naturbeschreibungen, die Fantastisches mit Realem verbinden, empfinde ich die Welt der Sternenflutsaga als sehr schön.

Die Handlung war dieses Mal von mehr Gefahren geprägt, auch wenn diese nicht gleich zu Beginn auftauchten. Die Spannung baute sich daher immer weiter auf, hinzu kamen auch einige sehr emotionale Momente, die Cassian aber auch die neu hinzugekommenen Charaktere beeinflussen. Gerade hier haben mir die Beschreibungen der Gedanken und Gefühle zugesagt.

Fazit: Auch dieser Teil hat mir gut gefallen, die Mischung ist besonders, die Geschichte war spannend und immer wieder emotional.

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Erhältlich als E-Book:

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Format: Kindle Edition
Dateigröße: 493 KB
ASIN: B07GH762PJ

Bald erhältlich als Taschenbuch:

Taschenbuchversion

Taschenbuch:
Verlag: EyeDoo Publishing
Verlagsnummer: 946201

Heftige Schläge und dunkles Trommeln ließen das Schiff erbeben. Der Seegang war stärker geworden, seit sich die Nerissa wieder ihrem Ankerplatz vor der Küste näherte. Es würde eine ungemütliche Anlandung für ihre Passagiere werden.

Cassian erwachte mit schmerzenden Gliedern. Sein Herz schlug rasend, was eine Folge des Traums war, der ihn eben heimgesucht hatte. Die Härte des Holzbodens tat ihr Übriges, um ihm einen erholsamen Schlaf zu verwehren. Diesen hätte er nötig gehabt, denn der vergangene Tag hatte ihm durch zwei gut gezielte Pfeile Verletzungen an Arm und Schulter eingebracht. Nach einer Ohnmacht, gefolgt von einem kurzen Nickerchen, hatte er der Versammlung beigewohnt, deren verblüffenden und erschreckenden Beschluss er noch nicht verdaut hatte.

Was ihn weniger erstaunt hatte, war das spätere Verhalten seines Obersten der Zauberergilde der Stellarden. Hekatus hatte ihn, Cassian, ohne Wissen der anderen Teilnehmer zu drei Monaten Kerker verurteilt und sofort einsperren lassen.

Genau diese drei Monate hätte Cassian eigentlich im Sinne der Versammlung zur Suche nach Menschen verwenden sollen, denen eine besondere Aufgabe gestellt würde: die Rettung der Menschheit.

An deren Rettung war dem eitlen und gierigen Hekatus ebenso wenig gelegen wie am Wohl Cassians.

Dies war der Grund dafür, dass er sich in diesem Abstellraum weit unter der Wasseroberfläche im riesigen Bauch des Zweimasters befand.

Die Welt war voller wundersamer Geschöpfe, doch manche von ihnen hatten ein habsüchtiges Wesen.

Über allen stand Gaia, die Schöpferin, die mit vielen anderen Göttern meist wohlwollend herrschte. Ihr untertan waren die Sternkreiszeichen, die über ihren Bereich im All wachten. Sie sandten Sternenwächter auf die Erde, die dort in irdischer Gestalt, als Tier oder Mensch, die Entwicklung im Auge behielten.

Darüber hinaus gab es die Zauberer. Sie lebten oft allein und unerkannt verstreut über alle Landstriche und bemühten sich, den Sternenwächtern hilfreich zur Seite zu stehen.

Aber weder Götter noch Sternenwächter und schon gar nicht die Zauberer waren ohne Fehl und Tadel. Und so setzte der eine oder andere seine eigenen Interessen über das Allgemeinwohl. Der Oberste Zauberer Hekatus war der Schlimmste unter ihnen, wohingegen Cassian mildtätig und hilfsbereit war, wenn auch gelegentlich ein wenig zu gleichgültig.

Unter Stöhnen setzte sich der gefangene Zauberer auf und lehnte sich an die hölzerne Wand seines Kerkers. Sein Blick wurde wach, als er erkannte, dass das Wasser vor dem Bullauge nicht mehr so dunkel war wie zuvor.

Die Nacht war vorüber.

Er musste zusehen, dass er hier heraus kam. Denn Hekatus hatte angekündigt, ihn für die Dauer seiner Gefangenschaft an einem anderen Ort unterzubringen. Eine Flucht von dort wäre sicher nicht leichter.

Cassian legte den schmalen Kopf lauschend zur Seite.

Kein Ton war zu hören. Man konnte denken, er wäre bereits allein auf dem Schiff. Lärm zu veranstalten, um jemanden auf seine Zwangslage aufmerksam zu machen, würde nichts bringen, da das viele Wasser um ihn herum und die vier Stockwerke über ihm jeden Laut schluckten.

Er musste versuchen, sich einem der Meeresbewohner, die am Bullauge vorbeischwammen, bemerkbar zu machen.

Der hagere Mann rappelte sich auf und trat an das runde Fenster. Ein Heringsschwarm zog vorüber, doch die Fische waren auf ihren Schwarm und eine eventuelle Gefahr von oben konzentriert. Was gäbe er dafür, wenn seine kleine Nixe jetzt vorbeikäme? Warum war Mirja nicht zur Versammlung erschienen, obwohl sie deshalb auch den weiten, gefährlichen Weg durch die Flusslande bis an die Küste auf sich genommen hatte? Seine Nixe – verführerisch und unberechenbar, sinnlich und angriffslustig – sie fehlte ihm.

Doch das einzige Wesen mit einer großen Schwanzflosse vor seinem Fenster war ein Tümmler, der hereinspähte. Cassian bemühte sich, dem Tier Zeichen zu geben, aber dieses lächelte lediglich auf die unnachahmliche Weise, wie dies nur Delfine tun. Cassian kam sich bei seinen Bemühungen mit einem Male lächerlich vor.

Seufzend versuchte er es erneut bei einer Schildkröte. Sie ruderte mit ihren paddelartigen Beinen und starrte ihn neugierig an.

Cassian überlegte, ob er doch irgendwie Zeichen an einen seiner Gefährten geben konnte. Würde nicht Cosmee, die rätselhafte Schönheit, seine Gedanken lesen können wie auch in den letzten Tagen? Der Zauberer hatte keine Ahnung, auf welche Entfernung dies möglich war.

Musste er erneut seinen Eid, nicht zu zaubern, brechen, um hier herauszukommen?

Da hörte er schwere Schritte. Sie gehörten weder Hekatus noch einem seiner Gefolgsleute, dessen war er sich gewiss. Er wich von der Tür zurück, als sie auch schon aufgerissen wurde.

Mit diesem Mann als Befreier hatte Cassian niemals gerechnet: Groß und breit stand er im Rahmen der Tür: Herakles, der Wächter des gleichnamigen Gestirns.

»Hier haben sie Euch also versteckt«, brummte der Hüne, und Cassian atmete erleichtert auf.

»Woher wusstet Ihr es?«

»Das fiese Grinsen dieses machthungrigen Zauberers in Kombination mit seiner Aussage, dass Ihr vor der gewaltigen Aufgabe geflohen wärt, ließ nur einen Schluss zu.«

Cassian nickte geschmeichelt.

»Ihr habt es nicht geglaubt?«

Der Hüne stieß ein schnaubendes Lachen aus.

»Man sagt Euch Lässigkeit und Besonnenheit nach, keine Feigheit. Jetzt lasst uns gehen. Eure Reisegefährten dort oben sind besorgt um Euer Wohlergehen.«

»Ist Hekatus noch an Bord?«, wollte Cassian wissen, während er hinter dem überbreiten Herakles die Treppen emporstieg. Seine Wunden schmerzten bei jeder Bewegung, aber dies war nebensächlich. Immerhin war er wieder frei!

»Der hat sich in dem Moment aus dem Staub gemacht, als ein Tümmler den Kopf aus den Wellen streckte und seinem Sternenwächter die Neuigkeit mitteilte, dass sich in der untersten Kammer im Schiff ein Mann befindet, der seltsame Zeichen gibt.«

Cassian grinste, als er sich das Gesicht der Zauberer-Obersten vorstellte.

»Cassian«, scholl es ihm aus mehreren Kehlen entgegen, und Cosmee fiel ihm erleichtert um den Hals. Gleich darauf löste sie sich von ihm und musterte ihn genau.

»Wie geht es dir? Was machen deine Verletzungen?«

»Die Schmerzen sind erträglich. Alles in Ordnung, meine Liebe.«

Er blickte an ihr vorbei zur Küste, wo soeben vier Männer mit schwarzen Umhängen aus einem Beiboot an Land gingen. Der Hagerste von ihnen wandte sich in Richtung des Schiffes, und Cassian spürte die Wellen der Wut bis in seine Seele. Nein, Hekatus war nicht glücklich über Cassians Befreiung.

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Letzte Änderung am Donnerstag, 04 Oktober 2018 13:35