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6x in fantasy top 100 unter den ersten 20

In aktuellen Dschungelcamp-Schlachtrufen hieße es "Kasalla" oder "Come on".
Ich finde es einfach nur zum "wahnsinnig freuen" und kann es kaum glauben:

Wir hatten schon vermutet, dass die Kategorieneinstellungen meiner Bücher in Amazon nicht optimal gewählt waren.
Was bedeutet das?
Nun, wir haben zum Teil den falschen Personenkreis angesprochen und wurden von den zu mir passenden Lesern in der Masse der Bücher schlecht entdeckt.

Und siehe da - eine gewaltige Änderung nach der Umstellung vor wenigen Tagen:
Ich finde sechs meiner Bücher in der Kategorie E-Books/Belletristik/Abenteuer/Fantasy nicht nur in den Top 100, sondern gleich unter den Top 20.
Das ist doch einmal ein Wochenendabschluss.

Vielen Dank an meine fleißigen Leserinnen und Leser - ich hoffe, ihr findet Gefallen an meinen Welten, meinen Helden und ihren Abenteuern.


Eure Ainoah

 

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Ich bin ein Tor-Freak!
Was das ist? Nun, ich gehöre zu den Menschen, die ein Tor sehen und die Fantasie spielt verrückt.
Geht ein paar Schritte mit mir, versteht meine Gedankengänge und erkennt die Möglichkeiten, die ich nutze, Geschichten zu erfinden.

Nehmen wir als erstes Beispiel das Tor rechts.
Ah, bella Venezia, eine Stadt zuweilen morbider Träume und dementsprechend verfasster Erzählungen. Ich persönlich habe Venedig immer nur bei traumhaften Wetter erlPorta a Veneziaebt. Meine Fantasie lässt mich hier also eher eine süße Liebesgeschichte hinter dieser "Porta" erfinden. Eine andere Variante fällt ebenfalls nicht schwer: Die Hauptperson entdeckt beim Eintritt einen Mord und der Mörder ist noch im Haus. Es entwickelt sich ein Katz- und Mausspiel in dunklen Gängen mit vermoderten Teppichen und fadenscheinigen Vorhängen.

Ideen entwickeln geht ganz schnell - Ladehemmung hat meine Fantasie selten, schon gar nicht, wenn Tore in der Nähe sind. Venedig habe ich schon des Öfteren besucht – von Land aus, aber auch per Yacht vom Wasser aus, was völlig andere Blickwinkel garantiert, schon allein bei der Anreise durch die Lagune.
Eine weitere Idee, die ich vielleicht in ferner Zukunft aufgreifen sollte: Die Nonna (Großmutter) wartet auf die Enkelin, die nach der Uni zum Essen kommen wollte. Aber sie taucht nicht auf. Der junge Nachbar wird mit der Suche beauftragt und findet einen Hinweis, der ihn per Vaporetto (Wassertaxi) quer durch die Stadt befördert. Er tritt durch das Tor, das ihm in einer dunklen Gasse als richtige Adresse zugeraunt wurde, und ihn überfällt das Grauen ...
Na, wie klingt das? Das löst bei mir allein der Anblick des Tores aus!


Botanischer Garten Gardasee

Oder diese malerische Tür hier links: Könnte sie der Nebeneingang zu einer herrschaftlichen Villa sein, in welcher ein junger Mann heranwächst, der einst besondere Kräfte haben wird?
Wer bevorzugt eine Liebesgeschichte? Dann eben so: Die Tochter des Grafen öffnet einem Reisenden im vorvorletzten Jahrhundert das Tor und gewährt ihm Unterschlupf vor dem Unwetter in einer Sonnwendnacht. Doch der Wanderer ist aus einer anderen Welt (oder auch einfach nur auf der Flucht vor der Mafia).

Es ist unglaublich inspirierend, wenn man auf bestimmte Auslöser mit einem Ideenschub reagiert. Nur nicht unbedingt für die Familie: "Mama, wo bleibst du? Wir wollen endlich zum Baden" oder "Schatz, stell dich ein bisschen nach rechts, da wirkt das Foto besser." Seufz. "Ja, ich komme schon, ich hatte nur gerade so eine tolle Idee."
Mein ebenfalls künstlerisch tätiger Mann ist dafür eher der Wege-Freak und sieht da allerdings keine Geschichten, sondern Motive, Motive, Motive.

Und so kommt es, dass auch in der Romantasy-Welt, in der ich derzeit unterwegs bin und meine Ideen einbringe, gleich zwei Tore ein große Rolle spielen.

Doch gebt acht: Dem Eindruck des Guten und Bösen, den diese Tore auf den ersten Blick vermitteln, darf man nicht trauen. Das falsche Tor in »Beretar« zu betreten, kann tödlich enden.

Zwischen Naim und Talin knistert es zunehmend, aber jede Ablenkung wäre gefährlich. Die Celesten lassen sie nicht aus den Augen (noch unlektorierter, möglicherweise nicht ganz fehlerloser Auszug).

»Du bist nicht sehr gut für mein Selbstbewusstsein, Talin. Und warst es auch noch nie, wenn ich genau darüber nachdenke.«
Sie lächelte ihn mit etwas zu vielen weißen Zähnen an, als dass er es als ehrlich empfunden hätte und ignorierte ihr Grinsen. Trotz des spöttischen Grundtons ihrer »Beziehung« fühlte er eine stetig wachsende Zärtlichkeit ihr gegenüber, die ihm Angst einjagte.
So antwortete er mit brutaler Offenheit, um sie wie gewohnt zu provozieren. Irgendwann würden seine Spitzen treffen und sie zu einer Unvorsichtigkeit verleiten. Käme sie ihm dann zu nahe, wäre er am Ziel seiner Träume.
»Sie denken vermutlich, dass ich ihnen im Wege bin, um eine Beziehung mit dir aufzubauen.«
Talin sah ihn mit geweiteten Augen an und schüttelte ungläubig den Kopf. Das dunkle Haar reichte ihr inzwischen bis über die Mitte des Rückens und eine lange Strähne rahmte das nicht mehr so ausgezehrt wirkende Gesicht liebevoll ein. Ihre Blässe war einer gesunden Gesichtsfarbe gewichen und die zartrosa Lippen waren immer häufiger zu einem Lächeln verzogen. Sie ist schöner denn je, dachte er bei sich, als er in ihren strahlenden grauen Augen versank. Kein Wunder, dass sie nicht nur auf ihn äußerst anziehend wirkte.
Zögernd hakte sie nach: »Ich täusche mich also nicht, dass ich das Gefühl habe, dass mich ständig eine anstarrt oder zu berühren versucht?«
Naim schüttelte grinsend den Kopf und Talin fluchte unterdrückt. Den nächsten Kommentar konnte er einfach nicht verbeißen.
»Du weißt, was diesem unangenehmen Verhalten sofort ein Ende bereiten würde?«
Talin sah ihn böse an und er begann zu lachen. Ja, natürlich verstand sie, was er meinte. Zwei der Celesten beobachteten sie und Naim konnte nicht widerstehen.
»Jetzt wäre die einmalige Gelegenheit, deinen Verehrerinnen deine heterosexuelle Veranlagung deutlich zu machen. Soll ich dich küssen?«
»Wir sind in einem Tempel, Naim.«
»Und der Weg nach draußen ist nicht weit, Liebste.«
Talin konnte nicht verhindern, dass ihr die Röte ins Gesicht schoss, denn der Gedanke, den Naim in ihr Bewusstsein gepflanzt hatte, übte mehr denn je einen unheilvollen Reiz auf sie aus. Bereits auf Beretar war Naim wie eine verbotene Frucht in ihrem Garten Eden gewesen. Ein menschenverachtender Mann mit einem Hang zur Brutalität, der sie dennoch immer angezogen hatte. Dies hätte sie »unten« niemals zugegeben, aber es war die gefährliche Wahrheit.
Warum gefährlich?, fragte sie sich selbst. Was habe ich zu verlieren? Meine Heimat und meine Aufgabe habe ich bereits verloren und werde beides niemals zurückerhalten.
»Er ist nicht standhaft, er wird mich gebrauchen, um seinen Willen durchzusetzen wie bei einer Wette. Es geht nur um den Gewinn. Danach bin ich wertlos für ihn.«
Verbittert sprach sie ihre Gedanken aus und Naim erstarrte vor ihren Augen. Als Talin voller Überzeugung in seine dunklen Augen sah, erschrak sie über den Schmerz, den sie dort sah. Hatte sie sich geirrt?
Doch sie wagte es nicht, genauer nachzuforschen, und ließ ihn stehen, plötzlich voll des schlechten Gewissens. Ab diesem Moment konnte sie Naims Bild, wie er sie durch das Helle Tor und den Weg hier herauf getragen hatte, nicht mehr aus ihrem Kopf verdrängen.
Der gekränkte Mann ging ihr einige Zeit aus dem Weg, allerdings nicht so weit, dass sich die Celesten Talin zu nähern gewagt hätten – eine unbefriedigende Situation für Mann und Frau.

Eines Abends spazierten Talin und Naim nach dem Gebet um den Tempel und die Admiralin fragte ihren Begleiter stirnrunzelnd:feuertor
»Riechst du das auch, Naim? Brennt es hier?«
Er hob mahnend die Hand und Talin schwieg erstaunt. Naim sah sich wachsam um, gab ihr ein Zeichen und sie folgte ihm mit geschmeidigen Schritten hinter das Buschwerk. Dann erstarrte sie.
Direkt vor ihr erhob sich der gleiche Zaun, der Neugierige vom Betreten der Moore abhielt. Auf der anderen Seite dieser Absperrung befand sich in der Ferne hinter der übel riechenden Wasserfläche eine felsige Erhebung. Mitten in diesem Felsblock loderten niedrige Flammen und Talin flüsterte erstickt:
»Die andere Seite des Dunklen Tores?«
Naim legte ihr den Finger auf die Lippen und sie hörten die Stimme Anrynns, die die Gruppe der Shades wieder für den Rückweg versammelte.
»Talin, Naim? Wo seid ihr? Wir müssen zurück.«
Sie ignorierten sie und Naim raunte Talin zu:
»Nein, es ist der Ausgang des Hellen Tores, Talin. Hier bin ich mit dir angekommen.«

Die Tore Beretars halten immer noch Überraschungen der guten oder bösen Art für die Rettung suchenden Menschen bereit.

Seht ihr die Türen und Tore auf eurem Weg demnächst mit anderen Augen?

Eure Ainoah

 

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Die Fortsetzung des Fantasy-/Science Fiction Abenteuers um die attraktive Admiralin Talin und den undurchschaubaren Fürstensohn Naim geht weiter.

Leseprobe:

beretar2 400pxIhre Lider wogen schwerer als Blei, doch sie vermochte es mit einiger Anstrengung ihre Augen zu öffnen. Helligkeit schoss auf sie zu und sie unterdrückte einen Aufschrei, da der Blitz durch ihre Augen direkt in ihrem gequälten Kopf explodierte. Wo war sie nur?
Die Augen zusammengekniffen, um mehr erkennen zu können und das grelle Licht zu dämpfen, blickte sie der Quelle der Unbehaglichkeit entgegen. Ein schützender Schatten stand zwischen ihr und dem Ausgang des Ortes, wo auch immer sie sich gerade befand. Ein Mann, schmal in den Hüften, breit in den Schultern, lehnte am Felsen, einen Arm über sich aufgestützt, an welchem sein Kopf lehnte. Dunkles Haar, beinahe schulterlang, schien er in die Weite zu blicken, tief in Gedanken versunken. An wen erinnerte sie der Mann nur?
Die Frau spürte einen Luftzug und wandte ihren Kopf, um den Grund dafür herauszufinden. Unwillkürlich weiteten sich ihre Augen, als sie sich erstaunt umsah. Sie befand sich in einem aus Fels gehauenen Raum, der eingerichtet war wie ein feudales Urlaubsdomizil auf der Frei-Scholle. Doch ihr war neu, dass es dort Zimmer in irgendwelchen Felsen gab. Unmut machte sich in ihr darüber breit, dass sie so orientierungslos war. Sie versuchte, sich an ihren letzten Aufenthaltsort zu erinnern, aber diese Anstrengung schlug fehl. Sie bog ihren steifen Rücken durch und stieß im gleichen Moment einen kleinen Schmerzenslaut aus. An ihrer Taille bis hinauf bis unter die Achsel brannte es wie Feuer, doch sie konnte sich an keine Verletzung erinnern.
Eine Bewegung vor ihr zeigte, dass ihre Reaktion nicht unbemerkt geblieben war. Der Mann hatte sich umgewandt und kam nun rasch auf sie zu.
»Talin? Du bist wach? Gott sei gedankt, dann hast du es überstanden.«
Sie starrte den gutaussehenden Fürstensohn vor sich erstaunt an, den sie jetzt erkannt hatte, denn eine besorgte Miene kannte sie von ihm nicht. War er sonst nicht entweder grimmig und schlecht gelaunt oder machte jemandem die Existenz schwer, wenn er nicht sein eigenes Leben gerade so führte, wie es ihm beliebte?
»Naim?«, fragte sie zögernd nach. »Was machst du hier? Wo sind wir?«
Seine Stirn legte sich in Falten und Talin wunderte sich über den Anflug ihres Bedürfnisses, ihm die dunkle, glänzende Strähne aus dem Gesicht zu streichen. Was interessierte sie sein Aussehen?
Aber noch wichtiger war die Antwort auf ihre Fragen. Wo war sie und warum war er an ihrer Seite? Und warum zum Teufel war sie verletzt? Erschöpft von dieser ungewohnte Unsicherheit, schloss sie erneut die Augen.
»Talin, bitte bleib wach! Ich schaue mir jetzt bereits seit drei Wochen deine geschlossenen Augen an und du weißt, Geduld ist nicht meine Stärke.«
Ruckartig gingen die Lider wieder nach oben und Talin hakte ärgerlich nach: »Was soll das heißen: drei Wochen? Wo ist meine Crew?«
Da schoss ihr ein Fetzen Erinnerung wie ein Aufleuchten durch die Gedanken. Die Verdana-Schlucht, ein silberhaariger Mann, der sie geküsst hatte, eine riesige Echse, deren messerartiger Schwanz auf sie zugekommen war. Dann brach erneut Dunkelheit über sie herein. Als die das nächste Mal erwachte, war es draußen dunkel. Sie konnte Sterne am Himmel sehen, aber sie schienen viel größer als sonst zu sein. Talin spürte Wärme an ihrer nicht verletzten Seite und ihre Hand tastete sich diesem angenehmen Gefühl entgegen. Weicher Stoff und darunter ein harter Körper, der eine überwältigende Hitze ausstrahlte. Sie erinnerte sich an den Mann, der sie zuletzt gebeten hatte, wach zu bleiben. Was war geschehen, dass sie den arroganten Zweiten in ihr Bett gelassen hatte?, dachte sie ärgerlich, beschloss aber, regungslos zu verharren und erst einmal nachzudenken. Die seltsame Situation musste sich doch irgendwie erklären lassen.

Seine dunkle Stimme, die ihr wie keine andere eine wohlige Gänsehaut und eine genervte Stimmung zugleich bescherte, drang an ihr Ohr.
»Kannst du dich an das Geschehene nicht erinnern?«
Naim klang beinahe mitleidig, was Talin stärker verunsicherte als alles bisher Wahrgenommene.
»Wer bist du und was hast du mit dem Zweiten gemacht?«, wollte sie um ein Haar amüsiert fragen, aber ihr war eigentlich kaum nach Lachen zumute.
»Momentan sehe ich ein großes schwarzes Loch statt einer Erinnerung vor mir«, gab sie leise zu und spürte eine sanfte Berührung auf ihrer Wange.
»Kein Wunder. Du warst schwer verletzt und ich glaube, so knapp ist noch keiner dem Tod von der Schippe gesprungen.«
»Was ist geschehen? Wo sind wir hier?«
Statt einer Antwort folgte erneut eine Gegenfrage.
»Kannst du dich aufsetzen? Deine Wunde ist schon lange vernäht und auch wenn sie schmerzt, dürfte nichts mehr aufreißen.«
Talin nickte und Naim schob den Arm unter ihren Rücken und half ihr sich aufzurichten. Sie kämpfte einen Moment gegen den Schwindel an, dann drehte sie sich und ignorierte den inzwischen bekannten Schmerz in der Seite.
»Warte, ich helfe dir. Sitzen reicht, Talin«, mahnte Naim, aber sie schüttelte bockig den Kopf.
Er seufzte, dann lachte er leise.
»Natürlich hast du dich durch den Dornröschenschlaf kein bisschen geändert. Stur wie eh und je. Lass dir wenigstens helfen, bevor du wieder ohnmächtig wirst und die Wunde erneut aufreißt.«
Wortlos akzeptierte sie sein Angebot und erhob sich so behutsam wie möglich. Ihre Seite ziepte und sie nahm an, dass dies die Wundnähte verursachten, die nun erstmals gedehnt wurden. Leise versuchte sie, das unangenehme Gefühl wegzuatmen und duldete seinen stützenden Arm, der sich unter ihren Unterarm schob. Einen Schritt nach dem anderen setzte sie auf den felsigen Boden, der ihre nackten Füße kühlte. Eine gefühlte Ewigkeit später standen sie am Rand des Felsenzimmers und starrten in die Weite.
Talin war sprachlos. Jedes Gefühl der Unsicherheit, der Übelkeit oder dem Zorn darüber, von Naim Hilfe annehmen zu müssen, löste sich in unwichtigen Nebel auf.

Unter ihnen lag ein Garten Eden unter dem vom Vollmond beleuchtenden Nachthimmel. Bäume, Wiesen, eine Art Park mit Spazierwegen und Bänken schien es zu sein. Am Ende des Parks bewegte sich eine dunkelgraue Fläche und die Admiralin vernahm ein lautes Plätschern.
»Ist das dort hinten ein See? Auf welcher Scholle sind wir denn?«
»Kein See, ein kleines Meer mit wunderschönen Sandstränden unter Palmen, so etwas Paradiesisches habe ich noch nie gesehen. Noch nicht einmal auf den Himmels-Schollen meiner Familie.«
Seine Stimme klang beinahe andächtig, was für Talin wieder ein kleines Wunder war. Schweigend wartete sie darauf, dass er weitersprach, aber er starrte einige Zeit wieder hinunter in Richtung dieses wunderbaren kleinen Meeres.
Dann wandte er sich um und nahm Talin mit, indem er seinen Arm vorsichtig um ihre Taille schlang.
»Sieh dort hinunter, Talin.«
Ihre Augen wurden groß wie Untertassen. Wie ein großer blau-grün-schwarzer Ball lag Beretar vor ihnen mitten in der dunklen Weite des Raums. Die Schluchten waren als feine Haarrisse zu erkennen und vermutlich konnte man bei Tageslicht feststellen, ob es sich um eine Wald- oder Getreide-Scholle handelte, je nachdem ob es ein heller oder dunkler Fleck wäre. Airballoons oder Häuser waren auf diese Entfernung natürlich unmöglich auszumachen. Talin spürte, wie ihr Herz bei dem unbändigen Verlangen nach ihrer Heimat zu schmerzen begann.
»Wo sind wir hier? Und wie sind wir in diese Höhe gekommen? Warst du das mit deinem Airballoon?«, fragte sie zittern vor Spannung.
»Ich habe den Weg durch das Helle Tor gewählt, Talin. Es hätte auf Beretar keine Rettung mehr für dich gegeben. Deine Verletzung war zu schwer. Wie auch immer das möglich ist, kann ich dir nicht erklären, aber wir sind auf einer der Himmels-Schollen. Ich war allerdings noch nie auf dieser hier. Was seltsam ist ...«
Er stockte und Talin wandte sich ihm neugierig zu, obwohl ihr Atem immer noch schnell und flach ging, während sie versuchte, das Gehörte zu verarbeiten.
»Was ist seltsam?«
»Sieh dort hinüber nach Osten. Diese Scholle ist die Urlaubs-Scholle meiner Familie. Man kann sie einwandfrei erkennen, aber von dort drüben aus habe ich noch niemals eine Himmels-Scholle im Westen gesehen.«
»Das heißt, die Scholle war zuvor nicht dort? Oder sie wandert?«, fügte Talin gedankenvoll hinzu und Naim hob unsicher die Schultern. Auch eine neue Bewegung, die Talin an dem sonst so selbstsicheren Mann noch nie wahrgenommen hatte, die jedoch ein warmes Gefühl in ihr emporsteigen ließ.
»Möglich, ich kann es mir nicht erklären. Vielleicht können wir eine Transportmöglichkeit finden, um hinüber zu kommen. Dann wäre es mir ein Leichtes, meine Familie zu informieren und uns abholen zu lassen.«

»Diese Möglichkeit besteht leider nicht, es gibt keine Transportmittel auf Azurmia, die uns den Raum überwinden lassen«, erklang hinter ihnen eine kühle Stimme. Talin keuchte vor Schmerz auf, weil sie sich zu schnell umgewandt hatte.
Naim war über den Anblick ihrer Besucherin nicht überrascht, was nur bedeuten konnte, dass er ihr bereits zuvor begegnet war.
Eine Frau stand vor ihnen, die eine Ausstrahlung besaß, wie sie Talin noch nie von einem Menschen empfangen hatte.
Zunächst fiel die außergewöhnliche Statur auf, sie war beinahe einen Kopf größer als der hochgewachsene Naim, und Talin fühlte sich zwergenmäßig, obwohl auch sie keine kleine Frau war. Lange fließende Gewänder aus silbern schillernden Material verbargen nur schwer eine extreme Magerkeit und eine matt glänzende helle Haut. Alles an dieser Besucherin wirkte silbrig, aber auf eine unauffällige Art wie ein Diamant und hatte nichts mit einem funkelnden, protzigen Auftritt. Tätowierte zarte Runen liefen seitlich den Hals entlang in Richtung Schultern und auch sie glänzten leicht.
Die Gesichtszüge offenbarten eine ebenmäßige Schönheit. Das asketische Gesicht mit äußerst markanten Wangenknochen und einer langen schmalen Nase lebte von den großen, grausilbern strahlenden Augen. Weibliche Formen waren nur mit Mühe zu erkennen, trotz des beinahe bis zum Bauchnabel zulaufenden, offenherzigen Ausschnitts und die sportlich-schlanke Talin fühlte sich erstmals in ihrem Leben üppig gebaut.
Das Absurdeste an ihrer Besucherin war jedoch der kahle Kopf, der offensichtlich nicht rasiert wurde, sondern kein Haarwachstum vorweisen konnte. Nun fielen der Admiralin auch die fehlenden Augenbrauen auf. Die widersprüchlicherweise vorhandenen Wimpern besaßen eine ausgeprägte Länge und betonten im seidigen Schwarz diese besonderen Augen, die zugleich sanft wie auch kühl wirkten.
»Sei gegrüßt, Elysiana«, vernahm Talin erstaunt die ehrerbietige Stimme Naims. Naims höfliche Worte wurden nur mit einem Nicken quittiert, dann wandte sich die Frau an Talin.
»Es geht dir endlich besser, Talin?«
»Ja, vielen Dank. Verdanke ich dir meine ärztliche Versorgung?«
»Eine unserer Heilerinnen hat sich deiner angenommen, aber ihr Erfolg stand auf Messers Schneide. Die Degenschwänze der Feuerwarane enthalten sehr aggressives Gift, das sich rasch im Körper ausbreitet und gemeinhin nach wenigen Tagen zum Tode des Opfers führen. Dann machen sich diese Raubtiere über den Wehrlosen her, sofern es keiner der Feuerdämonen geschafft hat, ihn dem Reptil vorher mit einer List oder in einem Gruppenangriff abzujagen.
So oder so wäre der sichere Tod dein Schicksal gewesen, wenn dein Gefährte nicht so schnell den einzigen Weg gewählt hätte, dich zu retten. Denn wir besitzen ein Gegenmittel, wenn die Ausbreitung des Gifts nicht zu weit fortgeschritten ist.«
Talin schloss kurz die Augen, als sie sich ausmalte, dass einige der verbrannten Shades, die Elysiana wohl als Feuerdämonen bezeichnete, an ihrem noch nicht ganz leblosen Körper zu nagen begonnen hätten, wäre Naim nicht gewesen.
Sie wandte den Kopf zu ihm, der sie etwas verlegen anlächelte.
»Ich danke dir, Naim, und hoffe, dass es für dich nicht bedeutet, deine Familie nie wiedersehen zu können.«
Der Fürstensohn zuckte kurz zusammen, dann brach sein aggressiv-lässiger Charme durch und er zwinkerte Talin anzüglich zu.
»Du wirst mich doch darüber hinweg trösten, Süße?«
Talin war beinahe froh, als sie den gewohnten Zorn über seine Anmaßung in sich heraufsteigen spürte, aber sie hielt sich zurück.
»Du hast mein Leben gerettet, wir werden sehen«, erwiderte sie um Freundlichkeit bemüht und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, als seine dunklen Augenbrauen erstaunt nach oben zuckten.
»Eine nachgiebige Admiralin? Das Gift lähmt sie wohl immer noch ein wenig, vermute ich«, wandte er sich an Elysiana, die das Geplänkel, ohne eine Miene zu verziehen, verfolgt hatte.
»Eher die Schmerzmittel, würde ich sagen. Aber das kommt wieder in Ordnung«, war die trockene, gefühllose Antwort.
Talin musste lachen, was die beiden anderen erstaunt dreinblicken ließ. Aber sie fühlte erstmalig die Spannung in ihrem Körper schwinden, auch wenn sie zugleich wieder eine lähmende Müdigkeit überkam. Elysiana beugte sich vor und musterte Talins Augen.
»Du solltest dich wieder etwas ausruhen. Nicht zuviel Anstrengung auf einmal. Ich lasse euch etwas zu essen bringen.«
Sie griff nach Talins Arm und diese spürte unter dem seidenweichen Gewand nur Muskeln, Sehnen und Knochen, was die immense Kraft, die Talin in Richtung Diwan schob, nicht erklärte.
Talin ließ sich vorsichtig nieder und spürte entsetzt, wie ihre Beine zitterten und sie Mühe hatte, diese auf die niedrige Liegefläche zu schwingen.
Elysiana wandte sich an Naim. Talin erkannte trotz ihrer bereits hinabsinkenden Lider, dass sie einen speziellen Ohrschmuck zu tragen schien. Die Ohren, spitz nach oben zulaufend, waren von einem silbernen Metallhäubchen mit zierlichen Mustern und kleinen Kettchen bedeckt, die bei der kleinsten Kopfbewegung ein leises Klingeln auslösten.
Nebel senkte sich über Talins Blick und ihr Bewusstsein schwand erneut.


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Eure Ainoah

 

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Der Beginn meiner neuen Trilogie ist fertig geschrieben und auf dem Weg zur Korrektur. Gerade rechtzeitig, um zuhause Zeit für die nächste Bauphase zu bekommen. Worum geht es?

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